WIR VOM SCHLAUN 1966-8

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WIR  VOM  SCHLAUN

Nr.  8  1966  4.  Jahrg.

�M ü n s t e r 

Telgter Str. 5 — 7 hosen-basar
Wolbecker Str. 43 Hosenfachgeschäft

— — — — —

H a m m

Kennzeichen: Chic, elegant, modern Im Schnitt,
hervorragend In der Qualität!

Weststr.  18
Ecke  Nordstr.  Besonders  jugendliche  Formen:

Slop JamEsliOiii! Shake tScai (^oslella
Schuppenstr.  22 h o s e n - b a s a r

C o e s f e l d

�V O M 

W I R 
Schülerzeitung  am
j  oh.-conr.-schlaun-gymnasium
44  münster,  sonnenstraße  18
mltglled  der  landesjugendpresse

S C H L A U N

u n s e r  k o n t o :
Stadtsparkasse  münster  952334

p r e i s :  — , 5 0  d m

u l r i d i  w i e c h e r s 

C h e f r e d a k t e u r 
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geschäftsführer  und  1.  Vertreter  .  Wilhelm  ackermann  -  wac  -  O  II  m
2 . 
r e d a k t i o n 

V e r t r e t e r 

g ü n t h e r 

b e l t r o p 

p e t e r 

l ü k e 

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b r a c k 

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w e r n e r - r u d o l f 
h a n s - j o a c h i m 
r o l f  n i e d e r g e r k e 
W i l h e l m  s c h e l s k y 
r o b e r t 
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t s c h i e d e l 

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c r a m e r 

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l u d w i g  - h j l - O I I I m b

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m i d i a e l 

g r a fi k 
d r u c k 
als  berater  halfen  uns  oberstudienrat  dr.  klochenbusch  und  studienrat  Simon.

h o e d e m a k e r 
r i e c k , 

d e l m e n h o r s t

S i e g f r i e d 

h o e 

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mit  vollem  namen  gezeichnete  artikel  geben  nicht  unbedingt  die  meinung  der
redaktion  wieder,  dieser  nummer  liegt  eine  beilage  der  tanzschule  grebe  bei.  wir
bitten  um  beachtung.

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m ü n s t e r 
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I n h a l t 

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t o d e s k a n d i d a t 

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k l a s s e " 

b ü c h e r w u r m 

s e d - s p d - r e d n e r a u s t a u s c h 

6 6 

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4 2 . 

b a n n e r w e t t k a m p f 

m y s t e r i ö s e r 

U n f a l l 

s e i l e
3
4
1 5
1 6
2 0
2 2
2 5

�Ta n z s c h u i e

Eugen  Wichtrup
Münster,  Harsewinkeigasse  1—6
Te l e f o n  4 3 9  9 2

Anmeldezeiten  täglich  von  11.30
bis  13.00  Uhr  und  von  17.30  bis
20.00  Uhr  (außer  dienstags).

Die  neuen  Schülerkurse  beginnen  nach
den  Weihnachtsferien,  also  Mitte
Januar  1967.  Es  würde  uns  freuen,
wieder  die  Schüler  des  Schlaungymna-
siums  als  Partnerklasse  begrüßen  zu
k ö n n e n .

W i r  b i t t e n  u m 

i h r e n  B e s u c h .

U n s e r e  Ta n z t e e z e i t e n :

M i t t w o c h  1 6 . 3 0 — 1 9 . 0 0  U h r
Samstag  16.30—19.00  Uhr
1 9 . 3 0 - 2 2 . 0 0  U h r
Sonntag  16.30—19.00  Uhr
1 9 . 3 0 - 2 2 . 0 0  U h r

Der  Einlaß  erfolgt  eine  Viertelstunde
vor  Tanzbeginn.

Harmonie

Musik als Hobby - ein schöner Zeitvertreib.
Aber  nicht  nur  zuhören,  selbstmusizieren
macht  viel  mehr  Spaß.  Diese  drei  können
es  Ihnen  bestätigen  -  oder  die  vielen  an
deren, die selbst musizieren mit HOHNER-
Musikinstrumenten.

LYRA-Musikhaus - Münster, Spiekerhof 2

2

�finstetie der »tHeinung«

DER  ÄRGER  AM  47.  JUNI

Hast  Du  Dich  auch  geärgert  —  am  17.  Juni?

So,
wie der ins Grüne strebende Familienvater, weil die Straßen verstopft

sind,

wie der Sohn, weil er nun doch nicht Vaters Wagen bekommt,
wie  die  Tochter,  weil  das  Radio  Beethoven  statt  Beat  sendet,
wie  die  Freunde,  weil  das  Schwimmbad  überfüllt  ist,
wie  der  Sdiüler,  weil  er  nun  doch  zur  Feierstunde  muß,
wie  der  Wirt,  weil  er  nicht  genügend  Sprudel  hat,
wie der Vorsitzende eines Vertriebenenverbandes, weil sein Kragen

nicht  sitzt,

wie  der  Funktionär  eines  Kuratoriums,  weil  die  Organisation  der

Gedenkstunde  nicht  klappt,

wie  der  Redner,  der  sein  Konzept  verloren  hat?

I h r  a l l e  h a b t  E u c h  g e ä r g e r t !

Worüber  sollte  man  sich  wirklich  ärgern  —  am  17.  Juni?

H a s t  D u  d a r ü b e r  n a c h g e d a c h t ?

E r w i n  L a m b e r t s
aus  „Der  Ratskurier"

3

�Der  Todeskandidat!

�Z u m 

T h e m a :

Zum zweiten Mal hat „wir vom schlaun" ein Rahmenthema. Mit dem
„Todeskandidaten" meinen wir den Referendar. Ist er wirklich ein
Todeskandidat, wie der Dichter E. Wiechert in seiner Erzählung, nach
der wir unser Rahmenthema benannt haben, meint? Wie steht es um
das Verhältnis Schüler — Referendar? Wie sieht ein Schüler den
Referendar? Wie sieht der Referendar sich selbst? Alle diese Fragen
haben wir in den verschiedenen Beiträgen zu beantworten gesucht Das
Ergebnis  liegt  vor  Euch.
Als wir den Themenkreis „Referendare" wählten, beabsichtigten wir,
den Schulern einen Einblick in die Arbeit des Referendars zu geben.
Jede Sache hat bekanntlich zwei Seiten. Sehen die Schüler den Refe
rendar auch einmal aus einem anderen Blickwinkel als dem eigenen
so tragt das vielleicht zu einem besseren Verständnis bei. Und das ist
so meinen wir, entscheidend für eine bessere Zusammenarbeit.

D i e  R e d a k t i o n

Der  Leserbrief
Wenn es Dir genauso gegangen ist wie mir, verzeihe ich Dir verständ
nisvoll, daß Du keinen Aufsatz zum Thema „Referendare" geschrieben

An  meine  Mitschüler

h a s t .

über  das  Thema

Endlich einmal ein interessantes Thema! Es kribbelte mir in den Fin
gern, die seit Jahren angestaute Wut über alle möglichen — und
unmöglichen - Referendare aller Welt kundzutun. Mit gespreizter
Feder — mir innerlich genüßlich die Hände reibend — machte ich mich
an die Arbeit. An Material war begreiflicherweise nach mehreren Jah
ren an der Höheren Schule kein Mangel.
Und was ich verfaßte? Nach einigen Stunden intensiver Arbeit (die
nur hm und wieder durch mein schadenfrohes Auflachen über eine
der vielen gelungenen Passagen unterbrochen wurde) lagen 5 (in Wor
ten; fünf) höchst interessante Seiten vor mir.
Nun, ich war voller Stolz auf mein - wie'ich jedenfalls meinte -
gelungenes Werk. Doch als ich es in der Familie vorlas . . .! Man wäre
fast Uber mich hergefallen! „Unmöglich!" - „Sowas kannst du doch
nicht in die Zeitung bringen!" Solche und ähnliche Kritik auf ganzer
Linie. Ja, ich wurde gezwungen, das Werk eigenhändig noch am sei-
ben  Tage  zu  vemiditen!
SAlußfolgerung: Man kann alles denken, aber längst nicht alles
Kurt  Memmert,  U  III  c

s c h r e i b e n .

5

�D a s 

I n t e r v i e w

Im Zusammenhang mit unserem Rahmenthema hielten wir dieses Mal unser Inter
view mit zwei Referendaren unserer Schule — mit Herrn Pfeiffer und Herrn
Kowsky.
Herr Kowsky ist Münsteraner; er bestand sein Abitur am Hittorfgymnasium, stu
dierte dann in Münster und Mündien und macht nun sein zweites Referendarjahr
am  Schlaungymnasium.
Herr Pfeiffer ist Abiturient des Ratsgymnasiums. Er studierte in Münster, Berlin
und Bonn. Nach dem ersten Jahr an einem Gymnasium in Wiedenbrück absolviert
er  zur  Zeit  sein  zweites  Jahr  an  unserer  Schule,
Beide wünschen sich für die Zukunft, daß sie in Münster bleiben können, wenn sie
die Referendarprüfung bestanden haben.
Warum wurden Sie Lehrer, wo doch dieser Beruf heute nicht mehr so häufig
gewählt wird? Es besteht ja an den meisten Schulen ein Lehrermangel.
Herr Kowsky: Zuerst einmal möchte idi auf folgendes hinweisen: Der Lehrerman
gel ist weniger darauf zurückzuführen, daß dieser Beruf unbeliebt geworden wäre,
vielmehr steigt die Zahl der Studenten, die Lehrer werden wollen. Der Grund für
den Lehrermangel liegt in dem Umschichtungsprozeß in den einzelnen Lehrer
kollegien, der durch den letzten Weltkrieg bedingt worden ist. Viele ältere Lehrer
treten in den Ruhestand. Lehrer der mittleren Generation fehlen zum großen Teil,
da hat der Krieg große Lücken gerissen. Andererseits sind die Schülerzahlen stän
dig  gewachsen.
Herr Pfeiffer: Aber nun zu Ihrer eigentlichen Frage: Warum haben wir den Leh
rerberuf gewählt? Was mich betrifft, so stand es für mich, soweit ich zurückdenken
kann, fest, daß idi Lehrer werden würde.
Herr Kowsky: Ich möchte es so ausdrücken, wenn es auch etwas hoch klingen mag:
Zum Lehrerberuf gehört Freude am Kontakt mit anderen Menschen. Dies war wohl
der Hauptgrund für mich, Lehrer zu werden.
Herr Kowsky: Die Frage, welche Fächer ich wählen sollte, war für mich weniger
wi^Ätig, nachdem ich mich entschlossen hatte, Lehrer zu werden. Entscheidend war
schließlich das Vorbild eines anderen Lehrers. Ich wollte zunächst Chemie studie
ren. Aber dann wäre ich bestimmt nicht Lehrer geworden. Da bietet die Industrie
zu große Erfolgsaussichten. Dies ist übrigens auch ein Grund für den Lehrermangel
in  den  naturwissenschaftlichen  Fächern.
Herr Pfeiffer: Bei mir fiel die Entscheidung, Lehrer zu werden, zusammen mit der
Entscheidung, Deutsch und Geschichte als Fächer zu wählen.
Herr Kowsky, könnten Sie mir die Aufgaben des Referendars an und außer
halb  der  Schule  erklären?
Herr Kowsky: Sie wissen sicherlich, daß wir im zweiten Ausbildungsjahr noch im
btudienseminar tätig sind. In dieser Lehrerpflanzschule lernen wir die theoretischen
Grundlagen des Unterrichts kennen, die pädagogischer und psychologischer Art
pädagogische Erfahrungen sammeln. Unsere
Ausbildung schließen wir mit einer pädagogischen Prüfung ab, den fachlichen
6

Warum wählten Sie als Fächer Deutsch und Geschichte?

�Eignungsnadiweis haben wir schon in Form des Staatsexamens abgelegt. Weiter
hin gibt die Schule die Möglichkeit zu einzelnen Aufgaben; als Beispiel möchte ich
die Vertretungsstunden nennen. Diese geben uns eine gute Gelegenheit, weitere
Erfahrungen  zu  sammeln.  Man  kann  experimentieren,  indem  man  zum  Beispiel
dasselbe  Thema  in  verschiedenen  Klassen  behandelt,  um  Unterschiede  in  der  see
lisch-geistigen Entwicklung der einzelnen Jahrgänge besser beobachten zu können.
Uns  interessiert  natürlich  am  meisten  das  Verhältnis  Referendar  —  Schüler.
Gibt es vlelleldit eine Abneigung des Schülers dem Referendar gegenüber?
Herr Pfeiffer: Das Wort „Abneigung" erscheint mir etwas zu gewichtig. Es besteht
keine Abneigung  des  Schülers  gegen  den  Referendar.  Wenn  ein  Referendar  im
Unterricht gestört wird, so liegt das nicht an der Boshaftigkeit der Schüler; viel
mehr  sehe  ich  es  als  einen  Spaß  an  —  ich  bin  schließlich  selbst  Schüler  gewesen.
Was  das  Verhältnis  Schüler  —  Referendar  stört,  das  ist  vielleicht  das  Vorurteil  der
Schüler;  Der  Rerendar  ist  in  ihren  Augen  eine  Art  Blitzableiter,  der  seine  Sorgen
nicht weitertragen kann. Deshalb hat der Referendar mitunter auch Schwierigkei
ten, zum Beispiel in den Vertretungsstunden. Besonders, wenn er nicht die Namen
der Schüler kennt, verstecken sich diese hinter ihrer Anonymität, um Unsinn trei
b e n  z u  k ö n n e n .

Wie  verhalten  Sie  sich  In  diesem  Fall?

Herr  Pfeiffer:  Ich  verhalte  mich  so,  wie  mich  die  Klasse  empfängt.  Im  konkreten
Fall  versuche  ich  so  schnell  wie  möglich,  die Anonymität  der  Schüler  zu  durch
brechen. Wichtig ist aber auch, daß man ein festes Programm hat. Wenn man erst
fragen  muß:  „Was  sollen  wir  denn  nun  mal  tun?",  dann  entsteht  natürlich  sofort
neuer  Lärm.  Daher  sollte  der  Referendar  vorher  genau  wissen,  was  er  machen  will.
Entscheidend dabei ist, daß man einen interessanten „Aufhänger" findet, wenn ich
das  einmal  so  sagen  darf.  Der  Weg  zum  Thema  ist  wichtig.
Herr Kowsky: Ebenso kommt es natürlich auf das Thema selbst an. So hat in Klas
sen, in denen ich unvorhergesehen eine Vertretungsstunde geben mußte, eine Dis
kussion  über  die  Vietnamfrage  angesprochen.  — Aber  wir  wollen  hier  nicht  alle
u n s e r e  „ T r i c k s "  v e r r a t e n !

Wir  haben  jetzt  den  Sonderfall  Vertretungsstunde  betrachtet.  Referendare
und  Schüler  begegnen  sich  aber  normalerweise  Im  Fachunterricht.

Herr Kowsky: Hier ist es zunächst ähnlich wie in der Vertretungsstunde. Der Refe
rendar sollte sich möglichst schnell die Namen der Schüler einprägen. Wenn ich
den  Unterricht  in  einer  Klasse  übernehme,  kann  ich  zwar  nicht  sofort  alle  Namen
auswendig  lernen,  aber  in  jeder  Ecke  einige.  Die  meisten  Schüler  sind  ganz
erstaunt, wenn sie sofort mit ihrem Vornamen angeredet werden. So ist schnell ein
erster Kontakt hergestellt. Weiterhin ist natürlich für das Verhältnis Schüler —Re
ferendar  das 
fachliche  Können  des  Referendars  bedeutsam.  Wenn  eine  Klasse
merkt,  daß  der  Referendar  seinen  Stoff  beherrscht,  ist  sie  im  allgemeinen  sehr
s c h n e l l  z u r  M i t a r b e i t  b e r e i t .

In  welcher  Klasse  unterrichten  Sie 
Prima?  Wie  stellen  Sie  sich  die  ideale  Klasse  vor?

lieber  — 

in  einer  Sexta  oder 

in  einer

Herr  Pfeiffer:  Die  ideale  Klasse  ist  die  leistungswillige  Klasse.  Es  muß  in  jeder
Klasse Schwierigkeiten geben — das gehört dazu. Jede Klassenstufe hat Vor- und

7

�Nachteile. Wer gerade von der Universität kommt, unterrichtet am liebsten in
einer Oberstufenklasse. Der Referendar hat sich an der Universität eine gewisse
abstrakte Sprache angeeignet. Kommt er damit in eine Sexta, so muß er seinen
Wortschatz reduzieren. Mit dem Wort „reduzieren" zum Beispiel würde er in einer
Sexta nur auf Unverständnis stoßen. Aber nach einer gewissen Zeit dürfte es für
den Referendar gleich sein, in welcher Klasse er unterrichtet.
Herr Kowsky: Meiner Meinung nach ist der Unterricht auf der Mittelstufe der
schwierigste — nicht nur für den Referendar. Der Schüler durchschreitet nämlich
ein besonders kritisches Stadium seiner Entwicklung. Während er in Sexta und
Quinta noch ohne große Bedenken akzeptierte, was der Lehrer sagte, ist er jetzt
grundsätzlich auf den Protest aus. Es ist leicht einzusehen, daß ein noch unerfahre
ner Referendar solchen Schülern vielfach Möglichkeiten zu lauthals vorgetragener
Kritik bietet. Doch ist das Eis erst einmal gebrochen, dann kann gerade der Unter
richt auf der Mittelstufe viel Spaß machen.
Als nächstes interessiert uns Schüler das Verhältnis Studienrat - Referendar.
Wie weit müssen Sie sich nach den Auffassungen Ihrer Fachlehrer richten?
Herr Kowsky: Wir sind nicht von den Fachlehrern abhängig. Wir sind fachlich voll
ausgebildet, uns fehlt nur noch die Unterrichtserfahrung.
Die Planung unseres Unterrichts geht ungefähr so vor sich: Wir bitten einen Fach-
ehrer, in seiner Klasse unterrichten zu dürfen. Wir richten uns nach dem gerade
behandelten Stoff, planen aber den Unterricht selbständig. Wir geben dem Fach
lehrer vor dem Unterricht den Stundenentwurf und zeigen ihm dann, wie wir prak
tisch zu unterrichten verstehen. Wir wären nicht Referendare und müßten noch
lernen, wenn wir keine Fehler machten. Daher wird unser Unterricht mit dem Fach-
ehrer besprochen. Oft fehlt leider die Zeit zu wirklich gründlicher Aussprache.
Halten Sie eine Einmischung des Fachlehrers in Ihren Unterricht für ange-
Herr Pfeiffer: Grundsätzlich ist gegen dieses Eingreifen nichts zu sagen. Manchmal
gibt es in einer Stunde wirklich eine Stelle, wo das ganze Ergebnis auf dem Spiele
Steht. Und dann sollte sich der Fachlehrer auch ruhig einmischen, obwohl das auch
nicht jeder tut. Dagegen gibt es auch manchmal Situationen, wo ein Eingreifen ver
früht  erscheint.
Glauben Sie, daß Sie genügend gerüstet sind für Ihre Aufgaben, wenn Sie
von  der  Universität  kommen?
Herr Kowsky: Sie weisen auf einen Mangel der Ausbildung hin. Wir haben noch
keine pädagogischen Erfahrungen, wenn wir an die Schule kommen. So fällt uns
auch das erste Referendarjahr am Anstaltsseminar schwerer als das zweite. Ein
anderer Mangel ist, daß der eigentliche Eignungstest — die pädagogische Praxis —
erst nach Abschluß der Fachausbildung stattfindet.

b r a c h t ?

Da sind wir schon bei unserem Titel: „Der Todeskandidat". Fühlen Sie sich
a l s  To d e s k a n d i d a t ?
Herr Pfeiffer: Der Titel trifft die Situation eines Referendars nicht, oder, falls Sie
Bedenken  haben,  er  sollte  sie  nicht  treffen.

8

�Dann unsere letzte Frage: Ist die Referendarzeit eine üble Zeit?

I h n e n 

d a s 

Herr  Pfeiffer:  Ja  und  nein.  Ja,  weil  in  unserem  Alter  andere  vor  selbständigen
Aufgaben stehen. Dazu drängt es uns audi. Sonst aber ist die Referendarzeit für
die Ausbildung  eines  Lehrers  notwendig.  Denn  wenn  wir  von  der  Universität  an
die Schulen kommen, merken wir doch, daß wir noch praktische Unterrichtserfah
rungen  gewinnen  müssen.
Herr Kowsky, Herr Pfeiffer, wir bedanken uns für dieses Gespräch und
w ü n s c h e n 
- u w e -

B e r u f ! 

B e s t e 

i n 

I h r e m 

Cicero und sein jünger

Quamquam quid ego te invitem, a quo — hoffentlich macht der da vorne nur so
weiter, ich muß doch noch Englisch machen — iam sciam esse — seit wir diesen
Referendar in Latein haben, paßt niemand mehr auf, und der steht da und liest und
erklärt, alles umsonst. Wozu denn auch aufpassen? Der Referendar gibt ja keine
Noten — praemissos, qui tibi ad Forum — ah, nur noch eine Seite Englisch, dann
bin ich fertig. Mathe mache ich in der Englischstunde — au! — der Stoß Von mei
nem Nachbarn ist nicht gerade angenehm. „Was ist denn jetzt schon wieder los?
Ich soll übersetzen — „welche Zeile sind wir?" Er zeigt mir die Stelle, und ich kann
anfangen: „Ich, äh — eh. Soll ich zuerst vorlesen?" Ehe die Antwort kommt, habe
ich meinem Nachbarn schon zugeflüstert, den Pons aufzuschlagen und ihn mir zu
geben. „Ja, ist gut! Ich werde den ,Cicero' verdeutschen", setze ich meine ange
regte Unterhaltung mit dem Referendar fort. Jetzt kommt auch endlich der Pons
herüber. Ich suche schnell die Zeile — da! Und nun kann es losgehen, die Über
setzung mit dem lateinischen Text vergleichend, man kann ja nie wissen, ob der
Verdeutscher  nicht  zu  frei  übersetzt  hat:  „Was  kann  ich  dich  noch  einladen,  von
dem ich weiß, daß ..." — ein laut herausgeschriener Name unterbricht mich, von
verschiedenen  Ecken  hallt  der  Name  wider,  dröhnendes  Gelächter  folgt.
Dann erfahre ich, was passiert ist; In der letzten Reihe hat jemand nicht aufgepaßt,
und das war dem Referendar zuviel. Der arme Kerl, muß der sich da hinten er
schrocken haben! Jetzt soll er auch noch ins Klassenbuch eingetragen werden. Ich
glaub', ich spinne. Plötzlich ist die Klasse still. Der Referendar geht zum Pult, setzt
sich und holt sich das Klassenbuch heran. Beklemmende Stille. Er schlägt das Buch
auf, holt seinen Kuli heraus und — legt ihn aufs Klassenbuch. Was ist los? Jetzt
steht er auf, dieses Mal will er den Sündenbock noch ermahnen, aber nächstes Mal,
dann!  Ich  kann  mir  das  Grinsen  kaum  verkneifen.
Die Klasse wird wieder unruhig. Sofort folgt seine berühmte Geste: Zeigefinger an
den Mund — und pschsch! Das Gegenteil erreicht er damit: Mindestens die Hälfte
der  Klasse  macht  es  nach,  der  Rest  kann  sich  kaum  vor  Lachen  halten.

9

�Nadi allgemeiner Beruhigung kann der Unterridit fortgesetzt werden. Idi über
setze — oder vielmehr ich lese aus dem Pons das Kapitel weiter, bis ein anderer
meine Aufgabe fortsetzen darf. Endlich habe idi Ruhe und kann Englisch machen.
Mein  Nachbar  stößt  mich  schon  wieder  an.  Wir  sollen  alle  auf  seine  Krawatte
sehen, um ihn nervös zu machen. Der Krawatte kann man aber kaum Bewunderung
schenken. Erstens ist sie nicht richtig gebunden, zweitens paßt sie nicht zum Anzug,
dem ein heißes Bügeleisen nicht geschadet hätte.
So, mit Englisch bin ich gerade fertig geworden, nun kann ich auch wieder am
Geschehen teilnehmen. Eben läßt der Referendar einen Schüler das Kapitel vor
lesen, aber anscheinend klappt es bei dem nicht gut. Jetzt macht der Referendar
einen Versuch; Er hebt einen Arm und beginnt zu sprechen. Eine Stelle scheint
besonders kritisch zu sein. Da stampft er mit Gewalt auf den Boden, so habe
Cicero das gemacht — zuerst sind wir verblüfft, dann hört man nur noch das Tram
peln und Gelächter der Schüler. Das war mal wieder eine ganz besondere Leistung
des Referendars. Gleich in der Pause haben wir noch genug darüber zu lachen.
Allmählich verebbt das Getobe und Getöse, und der „normale" Unterricht geht wei
ter. Ach ja, hoffentlich dauert es bis zur Pause nicht mehr lange! Ich schaue auf die
noch fünf Minuten! Ich packe meine Sachen. Dann stehe ich auf, setze midi
und stehe wieder auf. „Es hat schon geschellt, Herr Referendar!" Der schaut ver
wundert auf die Uhr, sollte sie schon wieder falsch gehen? „Ja gut, dann wollen
wir hier Schluß machen, für morgen übersetzt ihr..." — „Aber wir haben doch
Sportnachmittag, Herr Referendar!" — „Na, dann lassen wir es sein. Morgen fah
ren  wir  fort."  Das  waren  seine  letzten  Worte.  Wir  stürmen  hinaus.  Niemand  zu
sehen, kein Wunder, die Pause hat ja auch noch nicht angefangen. Zu allem Un
glück öffnet sich die Nachbartür. Der Kopf eines Lehrers wird sichtbar und seine
Stimme  hörbar;  „Tut's  heute  die  Schulglocke  mal  wieder  nicht?"  wrc

M ü n s t e r
Sonnenstraße  65/69
Sonnenstraße  65/69

Der Gütezeichenbetrieb die Wäscherei

1 0

�Wi  he  m S o h n

Schreibwaren-Fachgeschäft M ü n s t e r

Rosenplatz  15/17
Te l e f o n  5 5 8 2 6

Freuden  und  Leiden  eines  Referendars

Beginnen  wir  —  wie  könnte  es  bei  einem  Jung-Akademiker  anders  sein  (noch  dazu
in  Deutschland,  dazu  noch  in  Münster)  —-  philosophisch.  Offensichtlich  impliziert  die
Formulierung  des  Themas  in  der  kontradiktorischen  Gegenüberstellung  ihres
Begriffspaares  Freude  und  Leid  eine  solche  Polarität,  daß  ein  Vermittelndes  zwi
schen  beiden  nicht  gedacht  werden  kann,  es  sei  denn  die  Person  dessen,  der  sie
erlebt.  (Schon  nähern  wir  uns  dem  Eigentlichen,  doch  sei's  noch  einen  Moment
hinausgezögert!)
Nun  sind  ja  —  Kant  zufolge  —  Raum  und  Zelt  bloße  Wahrnehmungskategorien,
die  die  Erkenntnis  ermöglichen,  und  bei  Sartre  gar  ist  alles  eine  „undenkbare  und
ungeordnete  Reihenfolge  der  Gegenwärtigkeiten"  geworden,  d.  h.  also,  Polaritäten
sind heute philosophisch unmöglich, das Festhalten an ihnen entpuppt sich selbst
als  grenzenlos  rückständigi  und  wer  möchte  schon  gern  dem  Wehen  des  modernen
Geistes  sich  entgegenstellen?  Außerdem,  es  ist  sehr  die  Frage,  oh  nicht  der  alte
philosophische  Grundsatz  des  principium  contradictionis,  des  ,Widersprechendes
darf  nicht  zusammengedacht  werden',  hier  seine  Grenze  findet,  indem  nämlich
Freude  und  Leid  als  scheinbare  Gegenbegriffe  in  der  Person  des  Referendars  zusam
menfallen.  (Damit  sind  wir  beim  Thema!!)
Was  dem  bereits  Arrivierten  —  Assessor,  Studienrat,  Oberstudienrat  —  vielleicht
das  eine  oder  das  andere  ist,  jedenfalls  reines  Akzidens  gefestigter  Position,  ihr  als
Spannungsmoment sozusagen beigegeben, verbindet sich dem Referendar zur Syn
thesis  eines  höheren  Geschicks,  Klothos  Spindel  schlechthin,  moira,  der  selbst  die
Götter  opfern.
In  diesem  Lichte  werden  schon  Einladungen  zu  bierfreudigen  Klassenfesten  zu
Existenzfragen:  Soll  ich  hingehen?  Wie  nimmt  man  das  höheren  Orts  auf?  Und  die
hinter  vorsorglich  gehobener  Hand  geflüsterte  Andeutung;  „Geben  Sie  einen  aus,
wenn  wir  bei  der  Lehrprobe  besonders  gut  mitmachen?"  hat  vollends  die  Erschütte
rung der Welt zur Folge: Wo ist da noch sicheres Stehen möglich, vom Fortschreiten
ganz  zu  schweigen!  Kaum  läßt  ihn  (den  Referendaren)  sein  Mentor  allein,  schon
arbeitet  die  Klasse  nicht  mehr  mit:  „Sie  können 
ja  keine  Zensuren  schreiben!

1 1

�für 

Warum da anstrengen!" Tut sie es trotzdem und hat sie sich mit ihm angefreundet —
schon  muß  er  sie  wieder  verlassen,  wahrscheinlich 
immer.  Die  Ausbildungs
ordnung  will's  so!
Wenn  Baudelaire  von  sich  sagen  kann:  „Was  mich  groß  gemacht  hat,  war  zum  Teil
der  Müßiggang!",  so  folgert  daraus  im  Umkehrschluß  die  Unbedeutendheit,  Winzig
keit,  Nebensächlichkeit  unserer  Existenz  —  denn;  Gibt  es  das,  einen  müßiggehenden,
ganz  seiner  persönlichen  Vervollkommnung  lebenden  Referendaren?  Bei  Schülern
kommt  es  vor  (man  beachte  in  diesem  Zusammenhang  die  exemplarische  Bedeutung
der  Ecke  Prinzipalmarkt,  Lambertikirche,  Salzstraße!),  auch  bei  gewissen  höherorga
nisierten  Gammlern  (in  Rom  traf  ich  mal  einen),  aber  bei  uns?
Gehetzt  von  einem  Schicksal,  das  sich  verkörpert  auf  der  einem  Seite  in  sphinxhaften
Prüfern,  die  bedächtig  Notizbücher  mit  Beurteilungen  füllen,  negativen  zumeist,  auf
der  andern  in  Klassen,  deren  listig  erhobene  Gesichter  spöttisch  das  eine  meinen:
Nun  zeig,  was  Du  kannst!  Und  dann  stolper  mal  schön,  das  Bein  ist  schon  ausge
streckt!,  bleibt  ihm  keine  Zeit  für  Meditation,  bleibt  ihm  keine  Zeit,  ein  Selbst  zu
realisieren,  sich  vielleicht  sogar  zu  sublimieren  in  Regionen,  in  denen  strahlend  der
Geist  herrscht.  Ins  Nichts  gehalten,  aber  in  ein  solches  der  Beängstigung  und  höllen-
haften  Dunkelheit,  sucht  er  verzweifelt  die  Sonne,  sucht  er  das  gelobte  Land  des
zweiten  Examens,  doch  er  kann  es  nicht  finden.
Was  kümmern  ihn  da  Freude  und  Leid,  wo  die  Grundfesten  seiner  Person  bedroht
sind,  wo  er  sich  selbst  nur  noch  seherj  kann  im  Bild  des  geduldigen  Schafes,  das  zur
Schlachtbank  geführt  wird,  willenlos,  sanft  und  bereit,  wo  ganze  Schüler-Genera
tionen  auf  sein  Hinscheiden  warten,  um  Freudenfeste  zu  feiern  —■  „Wir  ham  es
geschafft!  Der  nächste  bitte!!!"  —,  wo  kaum  noch  klar  ist,  ihmi  selbst  nicht  klar  ist,
an  welcher  Stelle  er  als  Objekt  aufhört  und  als  (hoffentlich!)  Subjekt  beginnt,  wo
niemandem  das  Vage,  'Schwankende,  keinem  Lebensbereich  ganz  Zugehörige  seiner
Gestalt,  deren  Zwitterhaftes  und  Verschwommenes,  offensichtlicher 
ihm
ist  als 
selbst — wie sollte er da noch fühlem können! Verdämmernd geht er dahin . . .

(Winfried  Brinkmann,  Studienreferendar)

Du  suchst  schon  seit  langem  ein  bestimmtes  Buch?
Du  möchtest  fremdsprachliche  Texte  lesen?
Du suchst die richtige Unterhaltungslektüre für die Freizeit?
Du hast kleinere Geschwister, für die es immer schwierig ist,
das  richtige  Buch  zu  finden?

Hfani Du denn schon in der Stadibüäierei am Krameramtshaus?
Öffnungszeiten:  Dienstag  bis  Freitag  10—13  u.  14—19  Uhr
Samstag  10-13  u.  14-17  Uhr

1 2

�Der  Referendar  aus  der  Sicht  des  Schülers

ist
ijr  .  ..  wenn  man  ihn  anspit

l a u t 

i s t .

.  w e n n  a u s  d e m  G e t o s e

. 

.  wenn  es  heißt:

.  w e n n  e s  e t w a s  z u

z e n  k a n n .
. . 
lachen  gibt.
.  ..  wenn  es  irgendwo
b e s o n d e r s 
. . 
schwach  klingt:
„Nun  seid  doch  bitte
ruhig!"
. 
„Schon  wieder  einer
weniger!"
...  wenn  jemand  behaup
t e t ,  e r 
l e i d e  u n t e r  d e m
M i ß v e r s t ä n d n i s  d e r  M i t
m e n s c h e n .
.  .  .  wenn  jemand
behauptet,  der  Mensch
h a b e  Ä h n l i c h k e i t  m i t
d e m  A f f e n .
.  .  .  wenn  es  ganz  hart
hergeht.
...  wenn  gehobelt  wird.
.  .  .  wenn  Späne  fallen.
...  wenn  eine  Belastungs
probe  angestellt  wird.
.  ..  wenn  jemand  sich
v e r k a n n t 

f ü h l t .

��„Die  Beatles  sind  einsame  Klasse"

Ich hatte Glück, jawohl Glück; Kurz vor Toresschluß errang ich sie: eine Eintritts
karte  für  die  Beatle-Show  in  Essen.  Manch  einer  schielte  neidisch  auf  dieses  kostbare
Kleinod, andere ließen mich unverhohlen wissen, daß es wohl ein Ding aus dem
Tollhaus sei, den Beatles „nachzulaufen", und dann noch für teures Geld. Nun, man
mag sich darüber streiten, ob 20,— DM für eine Eintrittskarte angemessen sind, wenn
die Beatles bitten oder ein berühmter Pianist klangvolle Werke darbietet.
Ich jedenfalls wagte den Einsatz und kann nachträglich nur sagen, er hat sich im
vollen Umfang gelohnt. Dabei hatte ich, wie viele andere auch, erwartet, — oder
sollte ich sagen befürchtet? — die großen Vier könnten „Ihr" Publikum, durch das
sie groß geworden warent, nicht mehr erreichen und nicht mehr zufriedenstellen.
Durch die Verfeinerung und Änderung ihrer Musik und ihres Auftretens lag es nahe,
daß  sie  sich  ihren  vielen  Fans  entfremdet  hatten.  Von  Entfremdung  war  jedoch
beileibe nichts zu merken, als die Vier die Bühne betraten und eine Halle voller
Jugendlicher — ihr Alter schätzte ich zwischen 14 und 74! — zu Begeisterungsstür
men hinrissen. In solche Stürme von Ovationen, so habe ich mir sagen lassen, sollen
auch die feinhörigen und feinsinnigen Erwachsenen ausbrechen, wenn ein Konzert
künstler  das  Podium  betritt.
Zu den von manchen Sensationsmachern erwarteten Krawallen kam es nicht, über
haupt hat 'Sich die Schau der Beatles im wahrsten Sinne des Wortes gewaschen. Da
drängt sich keine unschickliche, taktlose Bewegung auf, ohne die andere Beat-Bands
heute nicht mehr auszukommen glauben. Auch ihre Hosenschneider haben weniger
hart gespart, als bei den „Ratties" oder „Stones". Die Beatles haben solche Touren
nicht nötig. In Kleidung und Auftreten zeigen sie einen durchaus ansprechenden
Geschmack und Takt. Sie nicken mit dem Kopf, sie lachen frank und frei, und schon
ein leichtes Fingerschnippen läßt ein Mädchen, eine Reihe vor mir, halb ohnmächtig
vom Stuhl taumeln. Für einen solchen „Erfolg" hätte sich „Mick Jagger eine halbe
Stunde  auf  der  Bühne  herumwälzen  müssen.
Wenn auch beim Auftritt alles aus dem berühmten Häuschen ist, so hört und erfaßt
man doch jeden Ton. Die Horde verwahrloster Krakeeler und „Rockers", die nur am
Krawall, nicht aber an der Musik interessiert sind, blieben ohnehin draußen auf dem
Vorplatz. Für diejenigen, die im Saale sind, steht die Musik der Beatles im Vorder
grund. Ohne Übertreibung darf ich sagenl, daß manch einer der Zuhörer vom Zauber
dieser Musik sich hat in Bann schlagen lassen. So ist es mucks-mäuschen-still im
Saale, wenn die Pilzköpfe „Yesterday" spielen — dieses für eine Beat-Band so
ungewöhnliche Lied. Die Beatles haben ihr Publikum fest in der Hand und führen es,
aber  sie  führen  es  nicht  in  die  Irre.
Wir, die wir im Saal versammelt sind, lassen uns von den Rhythmen erfassen, ohne
Gewissensnot lassen wir es geschehen, daß wir begeistert sind, daß wir hineinge
zogen  werden.
Ein  Kritiker  —  und  kein  Fan  —  einer  großen  deutschen  Tageszeitung  schrieb  über  die
Beatles  nach  ihren  Auftritten  folgende  Sätze:  „Die  Beatles  sind  nicht  das  Produkt

1 5

�ihres malerischen Aufzuges oder ihres Managements, sie sind nicht idas Produkt der
Sdiallplattentedinik und ihrer vielen Möglidikeiteni zum Mogeln, audi sind" sie nicht
das Produkt eines Filmregisseurs mit Namen Ridiard Lester, die Beatles sind sie
selbst, und sie sind es aus eigener Kraft und mit der Kraft, Tausende zu begeistern."
Wer im Saal war, würde sagen: „Die Beatles sind einsame Klasse."

-  h o e  -

DER  BÜCHERWURM:
John Lennon: In seiner eigenen Schreibe
Das  Fettgewächs  auf  Eric  Hearble
Eines fetten Morgens erwachte Eric Hearble mit einem abnormaden Fettgewädis
dreckt auf seinem Kopf. „Oh Bimmelzerbott", sagte Eric Hearble etwas sehr erstaunt.
Doch benahm er sich jedenfalls wie gewohnt, denn weshalb sollte er s'idi grämen?
Auf Eimer hörte er ein dünnes kleines Stimmchen, das ihn beim Namen rief, „Eric . . .
Eric Hearble schien es zu sagen, obwohl 'ich das nicht beschwören könnte.
In jener Nacht sprach dasselbe Stimmchen wieder und sagte „Eric, ich bin ein
Gewächs auf deinem Kopf, hilf mir, Eric." Bald war Eric seinem Freund Fettgewächs
sehr zugetan. „Sag Grind zu mir", sagte das Fettgewächs, und das war es auch.
„Sag Eric zu mir", sagte Eric so ungezwungen wie möglich. Seitdem sah man Eric
nie mehr ohne das große grindige Fettgewächs auf seinem Kopf. Und deshalb verlor
Eric Hearble seine Stellung als Veitstanzlehrer für spastische Knaben. „Wir wollen
keinen Krüppel als Lehrer für unsere Jungs", sagte der Schuldirektor.

John Lennon > wer kennt ihn nicht, den Bandleader und Komponisten der Beatles?
Mit solcher Publicity konnte er sich einer interessierten Leserschaft — sprich Fans
sicher sein. Und so schrieb er dann — kurze Geschichten, Gedichte, .auch Theater
szenen, und verschönte sie mit eigenen Zeichnungen.
Die deutschen Übersetzer mühten sich redlich um eine möglichst nahekommende
Ubersetzung. Manche Geschichten mußten sie mit ihrem Inhalt ganz umschreiben,
wie die folgende, die im Originaltext nur von solchen verstanden werden kann, die
mit  englischen  Verhältnissen  vertraut  sind.
Das Buch ist denen zu empfehlen, .die das Originelle lieben!

Die Albernsbagger Meinungsdummfrage über das Fernsägen
Das beweist die dämokomische Bummfrage undeutlich, daß:
a)  Alle  höhnen  Ratio.
b) Bringt das ZDF zu viele Re'klamiation? Das ischeint die Cruzbe der ganzen Sache
zu sein. Meiner Überzeugung nach leisten sie wertvolle Armbeit. Aber wenn man
die Dokumensationsreihe vom NDDR ansiecht — ausgezeichnet, auch wenn sie das
selbst  schon  von  sich  sagen.

1 6

�c) 9V2 Leute höhnen das ZDF.
Und die höhnen den NDDDR. Jeder andersmann liest die Hamburger Killzeitoing
oder  die  Frankfurter  Schlachtausgabe,  außer  Benno  Seifenzwerg.

In Englisch jetzt die Geschichte von Klein-Bobby, der seine rechte Hand nicht
mehr  hatte  und  sich  dafür  einen  Haken!  wünschte:

A  Surprise  for  Little  Bobby
It was little Bobbys birthmark today and he got a surprise. His very fist was jopped
off, (The Wiar) and he got a birthday hook! All his life Bobby had wanted his very
own hook; and now on his 39th birthday his pwayers bad been answered. The only
trouble was they had send him a left hook and ebry dobby knows that it was Bobby's
right fist that was missing as it were. What to do was not thee only problem:
Anyway he jopped off his lest hand and it fitted like a glove. Maybe next year he
will get a right hook, who knows?

-wac-mlt  freundlicher  Genehmigung  des  Helmut-Kossodo-Verlages/Genf
Im selben Verlag erschien auch das zweite Buch von John Lennon: „Ein Spanier
m a c h t  n o c h  k e i n e n  S o m m e r " .

s m o k e , 

s m o k e

S m o k e ,  s m o k e ,  s m o k e  a  c i g a r e t t e !
S m o k e , 
U n t i l  Y o u  s m o k e  y o u r s e l f 
Te l l  S t .  P e t e r  a t 
T h a t  y o u  h a t e 
A n d  s m o k e  a n o t h e r  c i g a r e t t e ! *

t o  d e a t h ;
t h e  h e a v e n ' s  g a t e

t o  m a k e  h i m  w a i t

*Altes englisches Matrosenlied, das zur Zeit Francis Drake
gesungen  wurde. Aus:  „Der  Kreis"

1 7

�H i e r
fangen
Karrieren
a n . . .

1 8

�wenn  man  auf  dem  Posten  ist.  Kein  General,  der  nicht  auf  Posten
war.  Schilderhäuser  sind  zugige  Posten.  Wem's  zu  sehr  zieht,  sollte
besser  wegbleiben.
Wen's  hierher  zieht,  der  wird  seinen  Weg  machen.  Hinter  dem
Schilderhaus  wird  mehr  gelehrt  und  gelernt,  als  mancher  ahnt:
fufoderne Kenntnisse (Technik und Führungspraxis) und alte Erkennt
nisse (Pflichterfüllung und Verantwortungsbewußtsein). Wer Verant
wortung sucht und bereit ist, zu lernen und sich voll einzusetzen,
für  den  fängt  die  Karriere  dort  an.
Sie  können  sich  verpflichten  -  als  Berufsoffizier  auf  Lebenszeit  -
als  Zeitoffizier  auf  mindestens  drei  (Luftwaffe  und  Marine  4)  und
höchstens  15  Jahre.  Einstellungsbedingungen:  Abitur  oder  ent
sprechender Bildungsstand. Höchstalter 25 Jahre. Einstellungs
termin:  4.  Oktober  1966  und  3.  Januar  1967.  Informationen  erhalten
Sie durch Einsendung dieses Coupons, durch den Wehrdienstberater
im  Kreiswehrersatzamt  und  durch  jeden  Truppenteil.  Bewerbung:
Spätestens 3 Monate vordem gewünschten Einstellungstermin beim
Personalstammamt  der  Bundeswehr  5000  Köln,  Neumarkt  49  oder
bei  jedem  Truppenteil.

U N S E R E

5 = <
Bitte,  Informieren  Sie  micti  über  die  Offizierlaufbatin  in
Heer  □  Luftwaffe  □  Marine  □  Sanitätsdienst  □  (Zutreffendes  ankreuzen)  84/45/1450
N a m e

V o r n a m e

Ort:  (

S t r a f B e :

K r e i s :
Schulbildung:  Abitur  □  Oberstufe  □  mittl.  Reife  □  Geburtsdatum:
°  Bitte  In  Blockschrift  ausfüllen,  auf  Postkarte  kleben  und  senden  an
Q  Bundeswehramt,  53  Bonn,  Postfach  7120
o

B e r u f :

1 9

�D e r  S P D - S E D - R e d n e r a u s t a u s c h

für  weitere  Bemühungen 

Nun  hat  sich  leider  doch  bewahrheitet,  was  viele  schon  vorausgesagt  hatten;  der
Redneraustausch  zwischen  der  ostzonalen  SED  und  der  westdeutschen  SPD  ist  ge
platzt.  Am  29,  6.  gab  der  Chef-Agitator  der  SED,  Professor  Albert  Norden,  bekannt,
daß  die  SED  ihre  Zustimmung  zum  Redneraustausch  zurückziehe.
Warum?  Den  Vorwand 
im  Bundestag  ein
lieferte  Bonn  selbst.  Kurz  vorher  war 
Gesetz  verabschiedet  worden,  das  den  Rednern  der  SED  freies  Geleit  zur  Kund
gebung  der  SPD  in  Hannover  zusicherte.  Die  SED  forderte  nun,  daß  dieses  „Hand-
sdiellengesetz"  erst  beseitigt  werden  müsse,  bevor  ihre  Vertreter  in  Hannover
a u f t r e t e n  k ö n n t e n .
Damit  ist  der  Redneraustausdi  selbst  vorläufig  zu  den  Akten  gelegt.  Doch  sollte
er  weiterhin  ein  Anstoß 
in  der  Deutschlandpolitik  sein.
Es  kann  und  darf  nicht  sein,  daß  nun  nach  diesem  zuerst  verheißungsvollen  Auftakt
m i t  e i n e m  M a l  w i e d e r  S c h l u ß  s e i n  s o l l .  D i e  w e s t d e u t s c h e n  P a r t e i e n  d ü r f e n  s i c h ,  n a c h
diesem  Ausfall  nicht  entmutigen  lassen  und  müssen  versuchen,  die  Deutschland
politik  weiter  in  Bewegung  zu  halten.
Daß  die  SPD  diesen  Redneraustausch  sehr  ernst  genommen  hat,  sieht  man  daran,
daß  sie  ihre  drei  bedeutendsten  Männer  in  Chemnitz  (Karl-Marx-Stadt)  reden  lassen
wollte,  nämlich  Willi  Brandt,  Herbert  Wehner  und  Fritz  Erler.  Als  nach  der  Absage
der  SED  den  SPD-Rednern  die  unmittelbare  Möglichkeit,  zu  den  Bewohnern  der
Ostzone  sprechen  zu  können,  genommen  war,  hielten  sie  die  Reden,  die  sie 
in
Chemnitz  hatten  halten  wollen,  im  Radio  und  Fernsehen.  Am  14.  Juli,  dem  Tag,  an
dem  die  Kundgebung  der  SED  hatte  stattfinden  sollen,  wurden  die  Reden  der  drei
SPD-Vorsitzenden  im  Radio  und  Fernsehen  übertragen.  Willi  Brandt  sagte,  er  sehe
es  als  Notwendigkeit  an,  über  Deutschland  sprechen  zu  müssen.  Die  Wiederver
einigung  sei  zwar  nicht  Sache  der  Deutschen  allein,  doch  einiges  müßten  allerdings
sie  ganz  allein  tun.  Er  sagte  ungefähr,  daß  „langsam  vorwärtsgehen  besser  als
stehenbleiben  sei".  Neue  Wege  zur  Lösung  der  ersten  Schwierigkeiten  seien  in  den
letzten  Wochen  sichtbar  geworden.
Wie  war  es  nun  zu  diesem  Redneraustausch  gekommen?  Der  erste  Anstoß  dazu
kam  von  Walter  Ulbricht  selbst,  dem  eifrigsten  Verfechter  der  sogenannten  Zwei
staatentheorie.  Zuerst  gab  es 
im  SED-Politbüro  Konflikte  zwischen  Ulbricht  und
Gegnern  dieses  Gedankenaustausches  mit  Westdeutschland.  Nach  langem  Kampf
siegte  Ulbricht,  und  es  wurde  ein  offener  Brief  dem  Vorsitzenden  der  SPD,  Willi
Brandt,  zugeschickt,  der  am  11.  Februar 
im  „Neuen  Deutschland"  veröffentlicht
wurde.  In  diesem  Brief  gab  die  SED  zu,  die  Deutschlandfrage  allein  nicht  lösen  zu
können.  Sie  erwarte  daher  die  Hilfe  der  westdeutschen  Arbeiterpartei,  der  SPD.
Die  SPD  lehnte  in  ihrer  Antwort  vom  18.  Februar  zwar  die  Bildung  einer  Volks
front  ab,  doch  befürwortete  sie  einen  Gedankenaustausch.  Auch  hier  gab  es  Wider
stand,  doch  Brandt  und  Wehner  siegten  am  Schluß  doch.
Im  zweiten  offenen  Brief  schlug  die  SED  einen  Redneraustausch  zwischen  beiden
Parteien  vor.  Die  SPD  solle  auf  einer  Versammlung  in  Chemnitz  (Karl-Marx-Stadt)

2 0

�tauchte  ein  weiteres  Hindernis  auf: 

reden,  die  SED  auf  einer  Veranstaltung  in  Essen.  Die  SPD  schlug  Hannover  vor
u n d  b e h a r r t e  a u c h  d a r a u f .
Nun  tauchte  die  Frage  auf:  Wer  von  der  SPD  redet  in  Chemnitz?  Als  Willi  Brandt
selbst  reden  wollte,  schaltete  sich  die  CDU  ein  und  gab  zu  bedenken,  daß  er  auch
Regierender  Bürgermeister  von  Berlin  sei.  Doch  Brandt  erklärte  sich  bereit,  notfalls
von  diesem  Posten  zurückzutreten,  um  in  Chemnitz  sprechen  zu  können.  Neben  ihm
s o l l t e n  d i e  b e i d e n  s t e l l v e r t r e t e n d e n  S P D - V o r s i t z e n d e n  H e r b e r t  W e h n e r  u n d  F r i t z
E r l e r  r e d e n .
Plötzlich 
In  der  Bundesrepublik  besteht  das
sog.  Legalitätsprinzip,  das  heißt  ein  Staatsanwalt  muß  gegen  einen  Verdächtigen
einschreiten.  Nach  unserem  Gesetz  kann  es  sein,  daß  ein  SED-Politiker  gegen  das
Strafgesetz  verstoßen  hat  und  sogar  des  Mordes  und  Totschlags  (Schießbefehl  an
der  Mauer)  schuldig  ist.  Man  machte  daher  den  Vorschlag,  dieses  Legalitätsprinzip
in  ein  Opportunitätsprinzip  umzuwandeln.  Das  hieße,  ein  Staatsanwalt  brauchte
in  einem  Annahmefall  nicht  einzuschreiten,  „wenn  der  Verfolgung  überwiegende
öffentliche  Interessen  entgegenstehen".  Auch  hier  gab  es  Widerstand  bei  der  CDU,
so  unter  anderem  bei  Bundestagspräsident  Gerstenmaier.  Man  beschwerte  sich  bei
der  CDU  über  den  „Alleingang  der  SPD".  Allmählich  merkte  man  in  Westdeutsch
land  jedoch,  daß  die  SED  ihr  Angebot  gern  zurückziehen  würde.  Als  man  nun  das
Gesetz  für  das  freie  Geleit  der  SED-Redner  verabschiedet  hatte,  war  für  die  SED
der  letzte  Anstoß  da,  den  Redneraustausch,  der  ihnen  zuletzt  immer  mehr  Unbe
hagen  eingeflößt  hatte,  abzusagen.  Dies  tat  Albert  Norden  auf  der  Pressekonferenz
v o m  2 5 .  J u n i 
In  seiner  Rede  vom  14.  Juli  warnte  Willi  Brandt  davor,  den  Schluß  des  Redner
austausches  auch  als  Schluß  der  gesamten  Bemühungen  in  der  Deutschlandpolitik
anzusehen.  Im  Gegenteil,  es  solle  jetzt  erst  recht  im  gesamtdeutschen  Gespräch
vorwärtsgehen.  Herbert  Wehner  schlug  weitere  Aktivierung  der 
innerdeutschen
Beziehungen  in  Handel,  Sport,  Kultur  usw.  vor.
Leider  hat  ein  Teil  der  CDU  in  diesem  Gespräch  um  Deutschlands  Zukunft  versagt.
Als  Rainer  Barzel  in  seiner  Rede  in  New  York  seinen  Vorschlag  zur  Lösung  des
Deutschlandproblems  unterbreitete  —•  auch  Sowjets  nach  der  Wiedervereinigung  in
Deutschland  —  wurde  er  sofort  öffentlich  von  der  CDU-Spitze  gerügt.  Es  war  viel
leicht  kein  allzu  brauchbarer  Vorschlag,  doch  immerhin  ein  Lichtblick  in  der  CDU.
Die  anderen  Spitzenleute  der  CDU  haben  dagegen  überhaupt  noch  nichts  zur
Lösung  vorgeschlagen.  Im  Gegenteil,  sie  haben  zum  Teil  noch  den  SPD-SED-Redner
austausch  angegriffen.
Hoffen  wir,  daß  die  Absage  des  Redneraustausches  kein  Ende,  sondern  ein  Anfang
zu  weiteren  Gesprächen  zwischen  Deutschen  über  Deutschland  ist.  Das  Gegenteil
w ä r e  s e h r  z u  b e d a u e r n .

i n  O s t b e r l i n .

W e r n e r  Z i c k e l b e i n  U l m

Anfang  oder  Ende?

2 1

�Münster  '66  -  42.  Bannerwettkampf

Am 19./20. Juli fanden zum 4. Male seit dem 1. Bannerkampf 1907 in Dortmund die
Kämpfe der Jungengymnasien Westfalens in Münster statt. Insgesamt beteiligten
sieb  91  Schulen  an  dem  diesjährigen  Wettbewerb,  dessen  höchster  Preis  die  Er
ringung  des  Banners  ist.  Das  v.-Stein-Gymnasium  aus  Bünde  verteidigte  diese
Auszeichnung  mit  einer  Durchschnittspunktzahl  von  422,33  Punkten  erfolgreidi.
Unsere Mannschaft erreichte mit einer Durchschnittspunktzahl von 371, 61 Punkten
den  47.  Platz.  Fassen  wir  nur  die  münsterischen  Schulen,  die  sich  an  diesem  Wett
bewerb beteiligten, zusammen, so ergibt sich folgender interessanter Stand:

1.  Hittorf-Gymnasium
2.  Schlaun-Gymnasium
3.  Schiller-Gymnasium
4 .  P a u l i n u m

392,76  Punkte
3 7 1 , 6 1  P u n k t e
3 7 1 , 1 8  P u n k t e
3 5 9 , 4 6  P u n k t e

Beachtenswert  ist  noch  der  2.  Platz  von  Helmuth  Klaholz  Ol  sb  im  Weitsprung
(6,49 m) und der 3. Platz unserer 4X lOO-m-Staffel (45,0 Sek.) in der Besetzung
Klaholz,  Dach,  Scheele,  Stratmann.
Nach einem solchen Wettbewerb ist es an der Zeit, die Leistungen zu analysieren
und  Konsequenzen  aus  dem  Abschneiden  zu  ziehen.  Vierzehn  Wettkämpfer  bildeten
unsere  diesjährige  Mannschaft,  acht  Teilnehmer  aus  der  Altersklasse  I  und  sechs
Teilnehmer aus der Altersklasse II. Diese Mannschaft war jedoch bei weitem nicht
die stärkste Vertretung, die wir hätten stellen können. So war aus dem Jahrgang
1950  kein  einziger  Teilnehmer  am  Start,  obwohl  an  unserer  Schule  doch  sicherlich
fähige  Leute  dieses  Jahrgangs  für  eine  Wettkampfbeteiligung  geeignet  wären!
Außerdem  mußten  drei  unserer  besten  Bannerwettkämpfer  (Snoek,  Niesert, An
neken)  kurzfristig  ersetzt  werden.  So  wäre  mit  einer  kompletten  Mannschaft  ein
Platz  unter  den  zwanzig  besten  Gymnasien  möglich  gewesen.  Unsere  3X1000-m-
Staffel  (Greshake,  Roth,  Schumann)  enttäuschte,  denn  sie  schied  bereits  im  Vorlauf
aus  und  erreichte  nicht  einmal  den  Endlauf,  wie  es  im  letzten  Jahr  der  Fall  ge
wesen  war.  Auch  unsere  4X100-m-Staffel  zeigte  eine  schwächere  Leistung.  Sie
kam auf den 3. Platz des Endlaufes, während im Vorjahr noch der 2. Platz belegt
w e r d e n  k o n n t e .
Doch brachte der diesjährige Bannerkampf nicht nur unerfreuliche Ergebnisse für
unsere  Mannschaft.  Die  Durchschnittspunktzahl  lag  mit  371,61  Punkten  weitaus
höher als 1965 in Bochum (= 340,50 Punkte). Unsere Fußballmannschaft wäre fast in
das Endspiel vorgedrungen, doch scheiterte sie erst im letzten Spiel an Ibbenbüren.
Die  Analyse  der  Ergebnisse  zeigt,  daß  wir  einerseits  zufrieden  sein  können,  anderer
seits  aber  nicht.  Um  vorhandene  Schwächen  zu  beseitigen  und  um  eine  wirklich
starke  Mannschaft  aufzustellen,  müssen  schon  jetzt  erste  Bemühungen  unternommen
werden.  So  bitte  ich  alle  Schüler,  die  an  den  aufgeführten  Disziplinen  Gefallen
finden,  sich  bei  Herrn  Simon,  bei  dem  entsprechenden  Sportlehrer  oder  auch  bei  mir
zu  melden.  Ich  hoffe  auf  eine  rege  Beteiligung.
1. Bannerfünfkampf (100 m, Kugel, Weitsprung, Boden, Barren)

a)  Altersgruppe  I  (Jahrgang  1950  und  älter)
b)  Altersgruppe  II  (Jahrgang  1951  und  jünger)

2 2

�2.  Mannsdiafts-Geräte-Vierkampf  der  Altersgruppe  II  (Pflichtübungen  Rede,  Boden,

Barren,  Kasten)

3.  Mannsdiafts-Drelkampf  im  Schwimmen  (100  m,  50  m,  Lagenstaffel)
4 .  4 X 1 0 0 - m - S t a f f e l
5 .  3 X 1 0 0 0 - m - S t a f f e l
6.  Leichtathletische  Sonderdisziplinen:

Hochsprung  (Mindestleistung  1,67  m),  Stabhochsprung  (Mindestleistung  2,70  m),
Dreisprung,  110  m  Hürden

7 .  F u ß b a l l
8 . 

H a n d b a l l 

- 

b t r 

-

Unsere  Fußballmannschaft  im  Endspiel
u m  d i e  N o r d w e s t f a l e n n M e i s t e r s c h a f t

So  erreichte  unsere  Mannschaft  das  Endspiel  um  die  Nordwestfalen-Meisterschaft;

Schlaungymnasium  —  Gymnasium  Ostberern  8:1
S c h l a u n g y m n a s i u m  —  G y m n a s i u m  B o c h o l t  3 : 2
Schlaungymnasium  —  Gymnasium  Coesfeld  2:0

I b b e n b ü r e n  a u f  d e m  P l a t z  d e s  P a u l i n u m s  s t a t t . 

Das  Endspiel  um  die  Nordwestfalen-Meisterschaft  fand  am  5.  Juli  gegen  das  Gym
n a s i u m 
I b b e n b ü r e n  h a t t e  u n s  s c h o n
einmal  mit  5:1  geschlagen.  Wir  waren  also  hinreichend  gewarnt  und  unterschätzten
diese  Mannschaft  nicht.  Zur  Überraschung  aller  fiel  dann  sdron  in  der  zweiten  Minute
das  1:0  für  uns,  als  Lappe  eine  Vorlage  von  Schmaloer  aufnahm  und  einlenkte.-
In  der  zehnten  Minute  hätten  wir  sogar  mit  2:0  in  Führung  gehen  können,  doch  der
Schuß  von  Hemesath  traf  nur  den  Innenpfosten.  Dieses  Pech  hatte  auch  Ibbenbüren
in  der  19.  Minute.  Doch  damit  nicht  genug! 
In  der  23.  Minute  setzte  wiederum
Hemesath  den  Ball  gegen  den  Innenpfosten.  Das  Spiel  wurde  nun  ausgeglichen.
Man  sah  auf  beiden  Seiten  ansprechende  Kombinationen,  doch  wurde  ein  weiteres
To r  b i s  z u r  P a u s e  n i c h t  e r z i e l t .
Was  sich  dann  nach  der  Pause  abspielte,  konnte  nicht  vorausgesehen  werden.  Nach
dem  Ausgleichstor  der  Ibbenbürener  in  der  62.  Minute  aus  stark  abseitsverdächtiger
Stellung  war  unsere  Mannschaft  so  demoralisiert,  vielleicht  auch  schon  am  Ende
ihrer  Kräfte,  daß  der  Ansturm  des  Gegners  nicht  aufgehalten  werden  konnte.  Die
folgenden  drei  Tore  zum  1:4  wurden  sämtlich  durch  schwerwiegende  Abwehrfehler
ermöglicht.  Unsere  beiden  Verteidiger  machten  dabei  nicht  gerade  den  besten  Ein
d r u c k !  D i e 
i n  d e r  z w e i t e n  H a l b z e i t  e i n f a c h  k o n d i t i o n e i l  w e i t a u s
stärker.  Ihr  hartes  Spiel  bewegte  sich  allerdings  in  einigen  Szenen  nur  am  Rande
des  Erlaubten.  In  diesen  Situationen  zeigte  der  junge  Schiedsrichter  manche  Un
sicherheiten.  Besonders  die  Abseitsregel  schien  ihm  gänzlich  unbekannt  zu  sein.
In  der  75.  Minute  faßte  er  sich  dann  allerdings  ein  Herz  und  erkannte  auf  Foul
elfmeter  für  unsere  Mannschaft,  den  Gausmann  zum  2:4  verwandelte.  Bei  diesem
Resultat  blieb  es  bis  zum  Schlußpfiff.

I b b e n b ü r e n e r  w a r e n 

2 3

�Ein  Gespräch  mit  dem  Trainer  unserer  Mannschaft

Einige Tage nach dem Spiel stellte idi Herrn Studienrat Scheidt folgende Fragen,
die  er  mir  freundlicherweise  beantwortete.  An  dieser  Stelle  möchte  ich  mich  noch
einmal  für  seine  Bemühungen  bedanken.
Weldres waren die Gründe der Niederlage gegen Ibbenbüren?
„Unsere Mannschaft lieferte gegen das Gymnasium Ibbenbüren ein sehr gutes Spiel,
vielleicht ihr bestes seit Jahren. Sie führte bis weit in die zweite Halbzeit mit 1:0,
und hätten sie bei zwei Lattenschüssen etwas Glück gehabt, so wären unsere Spieler
sicherlich als Sieger vom Platz gegangen. Ibbenbüren stellte eine sehr gute, körper
lich stärkere und jahrgangsmäßig ältere Mannschaft, gegen die unsere Elf schließ
lich  verdient  verloren  hat,  da  sie  nicht  mehr  die  nötige  Kraft  und  Kondition  auf
bringen konnte. Eine Schwäche zeigte unsere Mannschaft allerdings während der
gesamten  Spielzeit;  unsere  Hintermannschaft  verstand  es  nicht,  die  Spieler  des
gegnerischen  Sturmes  genau  zu  markieren  und  dadurch  in  ihren  Kombinationen
z u  b e e i n fl u s s e n . "
Bestand  ein  Kameradschaftsgefühl  In  der  Mannschaft?
„Unsere  Mannschaft  zeigte  in  allen  Spielen,  daß  einer  für  den  anderen  da  war.  Die
Frage  ist  ohne  Zögern  mit  ,Ja'  zu  beantworten."
Welche Spieler werden in den nächsten Mannschaften nicht mehr mitspielen können?
„Es ist noch nicht entschieden, ob im 2. Kurzschuljahr Bannerwettkämpfe und die
dazugehörigen Rundenspiele durchgeführt werden. Im zweiten Kurzschuljahr könn
ten  Peters  und  Gertz,  im  Schuljahr  1967/68  die  jetzigen  Unterprimaner  Fiedler,
Schmaloer, Gausmann, Köster, Meyer, Kleinhölter und Hasenau nicht mehr spielen."
Wird  es  dann  noch  möglich  sein,  eine  starke  Mannschaft  zu  bilden?
„Es bleiben dann noch Frings, Schelsky, Hünermann, Tillmann, Hemesath und Lappe.
Das sind immerhin noch sechs Spieler. Aus den unteren Klassen und vor allem
aus der Mittelstufenmannschaft werden genügend gute Spieler nachrücken, so daß
wir sicherlich auch in den nächsten Jahren wieder eine gute Mannschaft stellen
k ö n n e n . "
Warum kommen so wenig Schüler als Zuschauer zu unseren Spielen?
„Unser Herr Direktor, Herr Greshake und wir Sportlehrer waren bemüht, recht viele
Zuschauer anzulocken, aber das Ergebnis war kläglich. Dabei fehlt sicher nicht das
Interesse. Zum Teil spielen die Entfernungen in Münster eine Rolle. Hauptsächlich
liegt  es  aber  wohl  daran,  daß  unseren  Schülern  ein  echtes  Gemeinschaftsbewußtsein
fehlt, das Bewußtsein, daß es auch bei den Spielen um unsere Schule geht."
Was könnte man für eine größere Beteiligung am Fußballsport an unserer Schule
u n t e r n e h m e n ?
„Die Frage ist nicht leicht zu beantworten. Die Spieler der Schulmannschaften sind
oft in ihren Vereinen so stark beansprucht, daß sie nicht auch noch für die Schule
trainieren können. Das wäre natürlich zum Erfolg bei den Bannerwettkämpfen nötig.
Hier könnte unter Umständen eine Absprache mit den Vereinen helfen. Es melden
sich aber auch zu wenig Schüler für unsere Schulmannschaften. Wenn der Sport
lehrer sie nicht selbst anspricht, kommen sie nicht. Dieser Standpunkt ist sicher
falsch.  Wir  Sportlehrer  möchten,  daß  sich  möglichst  viele  Schüler  für  unsere

2 4

�Trainingsgemeinsdiaften  melden,  vor  allem  auch  Jungen,  die  nicht  in  Vereinen  sind,
damit  wir  eine  gute  Auswahl  haben.  Als  sehr  gut  haben  sich  Klassenspiele  erwiesen,
da  in  ihnen  immer  wieder  Talente  auftauchen.  Es  fehlt  den  Sportlehrern  aber  oft
die  Zeit,  solche  Spiele  zu  organisieren.  So  bleibt  wohl  nur  der  Weg,  daß  sich  viele
-
S c h ü l e r 

m e l d e n . " 

s i c h 

- 

b t r 

v o n 

a u s 

D i e s e s 
i s t  n u r  d e r  e r s t e  T e i l  e i n e s  K r i m i n a l r o m a n e s .  F ü r  d i e  n ä c h s t e  N u m m e r
wird  ein  Herr  des  Lehrerkollegiums  den  zweiten  Teil  schreiben.  Eine  dritte  und
eine  vierte  Fortsetzung  sind  vorgesehen.  Doch  nun  viel  Spaß  beim  Lesen!

D i e  R e d a k t i o n

tin mtjsktmet Un(aU

E r s t e r  Te i l

Dunkel  lag  noch  über  dem  Raum,  als  Peter  Neu  ein  Geräusch  hörte,  wie  wenn  etwas
unter  der  Tür  hergeschoben  würde.  Einen  Augenblick  lang  zögerte  er,  dann
betätigte  er  einen  Schalter,  woraufhin  der  Raum  erhellt  wurde.
An  den  Wänden  hingen  schwere  Bücherregale.  Die  Schlafcouch,  der  Wohnkleider
schrank  sowie  ein  Stapel  ungespülten  Geschirrs  auf  einer  Anrichte  ließen  einen
Junggesellenhausbalt vermuten. An jeder Wand war eine ganze Reihe von Schal
tern, Knöpfen und Glühbirnen angebracht, ja, es waren so viele, daß sie der Schalt
zentrale  eines  großen  Betriebes  Ehre  gemacht  hätten.
Ein  Druck  auf  einen  Schalter  hatte  also  das  Zimmer  durch  unsichtbare  Lichtcjuellen
—sie  mußten  sich  in  den  Regalen  und  hinter  der  Gardine  befinden—  hell  erleuchtet.
Ein  weiterer  Knopfdruck,  und  der  Türöffner  summte.  Nichts  regte  sich.  Nur  eine
kleine  Tischuhr  ließ  sechsmal  ihr  feines  Läutwerk  erklingen.  Wie  von  Geisterhand
gesteuert,  öffneten  sich  die  Jalousien,  und  schon,  als  sie  nur  zu  einem  schmalen
Schlitz  geöffnet  waren,  fiel  grelles  Sonnenlicht  in  das  Zimmer,  worauf  das  Licht
w i e d e r 
So  begann  der  Morgen  des  14.  Juli,  und  es  wäre  ein  Morgen  wie  jeder  andere
gewesen,  hätte  Peter  Neu  nicht  jenes  Geräusch  gehört.  Da  er  aber  nichts  gefunden
hatte,  dachte  er  schon  beim  Frühstück  nicht  mehr  daran.  Er  las  seine  Morgenzeitung
und  ihm  fiel  ein,  daß  sein  Urlaub  schon  bald  wieder  zu  Ende  sein  würde.  Heute
wollte  er  noch  eine  selbsterfundene  und  -konstruierte  Klimaanlage  in  sein  Zimmer
leinbauen,  denn  der  Sommer  war  außergewöhnlich  beiß.  Dann  würde  er  noch  für
einige  Tage  ans  Meer  fahren.  Er  freute  sich  schon  auf  die  alljährliche  Fahrt  auf  dem
Fischkutter  eines  Bekannten,  und  so  war  er  nun  völlig 
in  Gedanken  versunken,
a l s  d i e  P o s t  d u r c h  d e n  B r i e f k a s t e n s c h l i t z 

i n s  Z i m m e r  fi e l .

e r l o s c h .

2 5

�„Dafür  muß  ich  auch  noch  etwas  erfinden",  dachte  er,  und  er  stellte  sidi  schon  vor,
wie  ein  kleines  riießband  die  Post  zum  Erstaunen  seiner  Freunde  und  zur  Vergrö
ßerung  seiner  Bequemlichkeit  an  den  Frühstückstisch  bringen  würde.  Einmal  mehr
bedauerte  er,  daß  sein  Urlaub  beinahe  zu  Ende  war,  und  in  seinem  Unterbewußtsein
spielte  er  mit  dem  Gedanken,  dem  Einbau  dieser  technischen  Errungenschaft  seinen
Aufenthalt  an  der  See  zu  opfern.  Diesen  Gedanken  ließ  er  jedoch  gleich  wieder
fallen,  denn  ihm  fielen  die  gemütlichen  Abende  ein,  die  er  nun  schon  seit  drei
Jahren  mit  seinen  vier  Freunden  in  der  kleinen  Fischerkneipe  verbrachte.  Das  heißt,
in  diesem  Jahr  würde  er  nur  noch  drei  Freunde  wiedersehen,  denn  Rainer  Grimm
v / ü r d e  n i c h t  k o m m e n .
Er  war  kurz  vor  seiner  Abreise  aus  Walldeich  —  so  hieß  jener  kleine  Fischerort  —
mit  seinem  Wagen  tödlich  verunglückt.  Die  Freunde  hatten  sich  auf  seiner  Beer
digung  getroffen  und  sich  dabei  noch  einmal  versichert,  trotzdem  im  nächsten  Jahr
w i e d e r z u k o m m e n .
Unter  diesen  Gedanken  war  Peter  aufgestanden  'und  hatte  die  Post  vom  Fußboden
aufgehoben;  Reklame,  Reklame  und  ein  Brief  von  seiner  Zeitung.
P e t e r  w a r  n ä m l i c h  R e d a k t e u r  b e i m  O L D E N B U R G E R  T E L E G R A P H .  M i t  s e i n e n  3 9
Jahren  war  er  für  den  Verkehr,  die  Kommunalpolitik  und  für  die  Spalte  verantwort
lich,  die  mit  Kulturelles  überschrieben,  genausogut  Klatschspalte  hätte  genannt
w e r d e n  k ö n n e n .
Diese  Tätigkeit  als  Klatschchronist  konnte  Peter  Neu  aber  nebenbei  erledigen,  denn
erstens  ist  Oldenburg  kein  Tummelplatz  für  Playboys,  und  zweitens  handelt  es  sich
beim  OLDENBURGER  TELEGRAPH  um  eine  seriöse  Zeitung,  wie  der  Chefredakteur,
ein  übertrieben  konservativer  alter  Herr,  auf  jeder  Redaktionssitzimg  unterstrich.
Peter  Neu  war  einigermaßen  gespannt,  was  man  in  der  Firma  während  seines
Urlaubs  von  ihm  wollte.  Ja,  man  konnte  ihm  einige  Nervosität  anmerken,  als  er  den
Brief  mit  zuckenden  Fingern  aufriß.
'Schon  die  Anrede  machte  ihn  stutzig,  und  er  fürchtete  das  Schlimmste,  denn  so
offensichtliche  Höflichkeit  pflegte  einen  Pferdefuß  nach  sich  zu  ziehen,  dessen  Schlag
dann  für  mehrere  Wochen  vorzuhalten  versprach:
Sehr  geehrter  Herr  Neu,  lieber  Freund!
Ich  weiß  zwar,  daß  Sie  zur  Zeit  gerne  Ihren  Urlaub  verleben  möchten
und  gebe  gerne  zu,  daß  Sie  ihn  aufgrund  Ihrer  erfolgreichen  Arbeit  im
l e t z t e n  J a h r  s i c h e r  v e r d i e n t  h a b e n . .  D e n n o c h  k a n n 
i c h  n i c h t  u m h i n  —
„da  haben  wir's",  dachte  Peter,  „er  wird  schon  förmlich"  —  folgende  Bitte
an  Sie  zu  richten:  Ich  habe  heute  morgen  einen  anonymen  Hinweis  be
kommen,  daß  Ihr  Freund  Rainer  Grimm  im  vergangenen  Jahr  Opfer  eines
Verbrechens  und  nicht  eines  Unfalles  geworden  ist.  Da  Sie  als  Freund
des  Verstorbenen  mit  den  Begebenheiten  am  besten  vertraut  sind,  möchte
ich  Sie  hiermit  bitten,  in  Walldeich  für  unsere  Zeitung  Schlagzeilen  zu
sammeln.  Erhöhte  Provision  und  Spesen  sowie  ein  14tägiger  Zusatzurlaub
sollen  einen  kleinen  Anreiz  bieten.  Für 
im  voraus
d a n k e n d ,  e r w a r t e 

Ihre  Zusage  schon 

Karl  Mühlenberg  (Ohefredakteur)

i c h 

I h r e  A n t w o r t

2 6

�Waditmeister  Hans  Reinen  öffnete  sein  Amtszimmer.  Nachdem  er  eingetreten  war,
legte er seine Jacke ab, öffnete das Fenster, legte seine Bntterbrotdose in seine
Schreibtischsciiublade  und  ging  zum  Kalender.  Er  riß  ein  Blatt  ab  und  las  darauf  den
Spruch:

E i n f ä l l e  s i n d  k e i n e  G e d a n k e n ,
D e r  G e d a n k e  k e n n t  d i e  S c h r a n k e n ,
Der  Einfall  setzt  sich  darüber  hinweg
Und  kommt  in  der  Ausführung  nicht  vom  Fleck.

„Hier  braucht  man  weder  Einfälle  noch  viele  Gedanken",  dachte  der  Wachtmeister.
„Als  ich  noch  jung  war,  hatte  ich  von  meinem  Beruf  auch  mehr  erwartet.  In  einem  Nest
wie  Walldeich  ist  ein  Fahrraddiebstahl  schon  eine  Sensation,  und  dann  kommt  gleich
die  Kripo  aus  Wilhelmshaven.  Man  verödet  .  .  Und  was  bleibt  einem?"  Ein  durstiger
Blick  fiel  auf  eine  halbleere  Rumflasche,  deren  Hals  aus  dem  Papierkorb  herausragte,
jeden  Moment  bereit,  hervorgeholt  zu  werden  oder  vor  unberufenen  Augen  völlig
z u  v e r s c h w i n d e n .
„14.  Juli  59",  las  Hans  Reinen  laut.  .  .  „14.  Juli,  14.  Juli,  da  war  doch  was.  Ach  richtig,
Elfriedes  Geburtstag,  den  darf  ich  nicht  wieder  vergessen!"  Und  schleifenden  Schrittes
ging  er  zum  Schreibtisch  und  ließ  sich  seufzend  in  den  Sessel  fallen.  „Geschenk  für
Elfriede",  schrieb  er  auf  einen  Zettel,  den  er  vor  sich  hinlegte.
Er  wollte  gerade  eine  Akte  aus  dem  Schrank  nehmen,  als  es  klopfte.  „Herein",  rief
Hans.  Die  Tür  knarrte  ein  wenig,  als  ein  junger  Mann  eintrat.  Er  sah  aus  wie  etwa  30,
konnte  aber  auch  noch  jünger  sein.
„Mein  Name  ist  Hinz,  Paul  Hinz.  Ich  komme  aus  Wilhelmshaven.  Meine  Dienststelle
— 
ich  bin  Kriminalassistent,  hier  mein  Ausweis  —  meine  Dienststelle  hat  mich
beauftragt,  mich  bei  Ihnen  umzusehen.  Inspektor  Michaelis  wird  gegen  Abend  ein
treffen.  Es  ist  nämlich  folgendes  passiert:  ..."
„Aber  setzen  Sie  sich  doch  erst  einmal",  sagte  Hans  Reinen,  „wollen  Sie  eine  Ziga
r e t t e  o d e r  e i n e n  R u m ? "
„Ich  bin  im  Dienst",  war  die  tadelnde  Antwort  des  jungen  Beamten,  und  nun  ließ  er
seinen  Redefluß  durch  nichts  mehr  unterbrechen:
„Sie,  Herr,  Herr  .  .  .,  ach  wie  war  doch  gleich  Ihr  Name?"
„Reinen,  Hans  Reinen!"
„Richtig! Hören Sie, Herr Reinen, wir haben heute morgen einen Brief mit folgendem
I n h a l t  b e k o m m e n :

In  Walldeich  gibt  es  etwas  aufzuklären:
R a i n e r  G r i m m  w u r d e  e r m o r d e t ! !

Da  die  Unterschrift  fehlt,  müssen  wir  der  Sache  hier  auf  den  Grund  gehen.  Geben
Sie  mir  doch  die  Akte  Grimm  und  erzählen  Sie  mir  doch  bitte,  was  damals  passiert  ist."
W a c h t m e i s t e r  R e i n e n  k r a m t e  a u s  d e m  A k t e n s c h r a n k  e i n e n  O r d n e r  h e r v o r  m i t  d e r
Aufschrift:  Versicherungen,  Einbrüche,  Unfälle.
„Also  das  war  heute,  nein  gestern  genau  vor  einem  Jahr",  begann  der  Wachtmeister,
der  seinen  Ohren  nicht  zu  trauen  schien,  indem  er  dem  jungen  Assistenten  die  Mappe
reichte,  „als  Grimm  mit  seinem  Wagen  über  den  Deich  fuhr.  Es  hatte  geregnet,  und  der
Weg  muß  naß  gewesen  sein.  Die  Kurve,  die  der  Deich  macht,  wo  er  in  Richtung

2 7

�Hämbach  verläuft,  hat  er  daim  wahrsdreinlich  zu  spät  gesehen,  es  war  nämlich
Abend und wie gesagt, trübes Wetter. Eigentlich hätte er die Kurve aber kennen
müssen, denn er führ täglich denselben Weg. Jedenfalls ist er mit seinem Wagen die
Böschung  hinab  genau  in  den  Pril  gestürzt.  Der  Wagen  ist  auf  der  Betoneinfassung
aufgeschlagen.  Der  Tote  ist  erst  am  anderen  Morgen  gefunden  worden."

☆

Inzwischen  war  Peter  Neu  reisefertig.  Es  hatte  ihn  keine  lange  Überlegung  gekostet.
Er war zu seinem Chef gegangen und hatte sich genauer erkundigt, wie er vorgehen
sollte,  was  zu  berichten  war  und  c*b  die  örtliche  Polizeistelle  orientiert  sei.  Der  Chef
hatte  ihm  .den  Brief  gezeigt  und  erklärt,  daß  -auch  die  Polizei  einen  solchen  erhalten
habe.  Daraufhin  war  Peter  Neu  nach  Hause  gefahren  und  hatte  gepackt.  Nun  stand
er  bei  der  Tür  und  schaute  sich  noch  einmal  im  Zimmer  um,  betätigte  noch  einige
Knöpfe  und  Schalter,  und  er  wollte  sich  gerade  zum  Gehen  wenden,  als  er  etwas
Weißes  unter  dem  Teppich  hervorschauen  sah.  Noch  einmal  stellte  er  den  Koffer
-und  die  Reisetasche  aus  der  Hand  und  bückte  -sich.  Den  Umschlag  -kannte  er  doch?!
Ja,  es  war  der  gleiche  wie  der,  -den  ihm  der  Chef  gezeigt  hatte.  Also  hatte  doch  heute
morgen  jemand  etwas  unter  der  Tür  durchgeschoben,  und  es  war  nur  unter  den
Teppich  gerutscht.  Mit  zitternden  Fingern  öffnete  er  den  Umschlag  und  nestelte
d a r a u s  d e n  B r i e f  h e r v o r :

I h r  F r e u n d  w u r d e  e r m o r d e t !

mehr  stand  nicht  -darin,  und  selbstverständlich  fehlte  die  Unterschrift.  Es  war  die
Schrift,  wie  es  Peter  erschien,  einer  -alltäglichen  Schreibmaschine.
Peter  Neu  steckte  -den  Brief  zu  sich,  nahm  Koffer  und  Tasche  wieder  auf  und  schloß
im  Hinausgehen  die  Tür  hinter  sich  ab.

☆

Schon  drei  Stunden  später  ging  Peter  Neu  mit  seinem  Koffer  und  seiner  Tasche  durch
die  Hauptstraße  von  Wall-deich.  Sollte  er  erst  zum  Polizeirevier  gehen?  Doch  er
entschloß  sich,  vorher  sein  Gepäck  ins  Gasthaus  zu  bringen  und  dann  zu  Wacht
meister  Heinen  zu  gehen,  den  er  aus  den  letzten  Jahren  kannte.  Vorher  aber  wollte
er  noch  etwas  essen.
Jetzt  die  erste  Straße  rechts  und  dann  stand  er  vor  dem  Gasthaus,  in  dem  er  auch
in  den  Jahren  vorher  geschlafen  hatte,  übrigen«  das  einzige  im  Ort,  das  Zimmer
vermietete.  „Zur  Alten  'Scholle",  stand  in  bronzenen  Buchstaben  auf  einem  Blech
schild,  das  vor  der  Tür  auf  die  Straße  herabhing  und  jedem  Vorübergehenden  -den
Kopf  zu  verletzen  drohte.
Peter  trat  ein  und  wurde  freudig  von  dem  rundlichen  Wirt  begrüßt,  -der  gerade  damit
beschäftigt  war,  die  Theke  zu  wienern.  Es  war  kein  Gast  da,  denn  selbst  in  Walldeich
pflegte  man  um  elf  Uhr  morgens  noch  nicht  zu  trinken.
„Ich  bringe  Ihre  Koffer  gleich  'rauf",  sagte  der  Wirt,  „trinken  Sie  ein  Bier.  Ich  bin
gleich  wieder  da."
Er  hatte  ein  Bier  gezapft  -und  verschwand  mit  Peter  Neus  Gepäck  über  eine  knar
rende  Treppe  in  -den  ersten  Stock.  Peter  nahm  das  Bier  und  trank  es  in  einem  Zug.
Der  Qualm  der  Kleinbahn  hatte  ihn  durstig  -gemacht.
Übrigens  ist  auch  einer  ihrer  Freunde  schon  eingetroffen,  Herr  Petersen  aus  Ham
burg.  Es  war  schon  reichlich  spät  gestern  abend,  als  er  ankam.  Ich  habe  nicht  mehr

2 3

�mit ihm gesprochen. Jetzt scheint er noch zu schlafen. In seinem Zimmer ist noch
alles ruhig. Sie haben übrigens wieder die 3 und Herr Petersen die 4 nebenan.
Ich werde ihn gleich einmal wecken, sagte Peter, schreiben Sie das Bier auf und
machen Sie mir doch etwas Warmes zu essen. In einer halben Stunde bin ich wieder
u n t e n .
Als er an Nr. 4 vorbeikam, horchte er, konnte aber nichts hören. Er ging in sein
Zimmer, packte aus, wusch sich und zog einen bequemeren Anzug an.
Dann klopfte er an die Tür seines Zimmernachbarn. Dumpf klang der Ton der
Eichentür, und die messingene 4 gab einen hellen Summton dazu. Im Zimmer blieb °s
still. Noch einmal klopfte Peter. Wieder blieb es ruhig. Vorsichtig drückte er auf die
Klinke, die Tür war auf. Doch sie ließ sich nur einen Spalt weit öffnen, dann stieß sie
gegen  etwas  Hartes.
Peter steckte den Kopf durch den Spalt, und ... ein Schrei blieb in seinem Hals
s t e c k e n .
Vor ihm lag Fred Petersen, totl
Neben seinem Kopf war Blut in die Dielen gesickert, und in seiner Schläfe war ein
kleines  rundes  Loch  sichtbar.  In  seiner  rechten  Hand  aber  flatterte  im  Luftzug
zwischen  Tür  und  Fenster  ein  weißer  Zettel  mit  der  Aufschrift:

Ihr  Freund  wurde  ermordet!

-  r o t  -
Fortsetzung  in  Nr.  9

tanzdckule zimmermann adtv

h a u s 

d e s 

i m 
münster,  neubrückenstraße  50,  tel.  43477

t a n z e s

erfolgreich Im turniertanzsport — neueste modetänze —
tanztees  —  ailround-programm
treffpunkt für münsters Oberschüler!

unser  nächster  geschlossener  zirkel  für  schüler  des
schlaun-gymnasiums  (mit  honorarermäßigung)  anfang
dezember  —  auskunft  in  unserem  Sekretariat

2 9

�Der 
ideale  Referendar:  Tod  dem  Todeskandidaten
Kennt  Ihr  einen  idealen  Referendaren?  Nein  —■  ganz  bestimmt  nicht;  es  gibt  ihn
nämlich  noch  gar  nicht.  Ich  m'uß  es  erst  noch  werden.  Ihr  kennt  mich  nicht?  Das  ist
nicht  weiter  wichtig;  Ihr  lernt  mich  schon  früh  genug  kennen.  Jawohl,  Ihr  Schüler,
Ihr  werdet  mich  kennenlernen,  und  dann  wehe  Euch,  die  Ihr  immer  den  Unterricht
stört,  lärmt,  ärgert.  Ihr,  die  Ihr  gewohnt  seid,  den  Referendaren  zu  peinigen,  ihn  zu
verwirren,  ihn  zu  vernichten.  Ihr  werdet  auf  einmal  ruhig,  freundlich  und  fleißig  sein.
Warum?  —  Ich  habe  die  neue  Masche,  die  ideale  Methode  gefunden,  die  aus  dem
Todeskandidaten  wieder  einen  Menschen  macht.
Ich  weiß  es,  ich  erahne  Eure  grinsenden  Gesichter:  Ihr  glaubt  mir  nicht!  Ihr  freut  Euch
schon  auf  den  Augenblick,  wo  ich  in  Eure  Klasse  komme.  Ich  weiß;  der  Schwamm
ist  schon  in  der  Tür  festgeklemmt,  Ihr  habt  Euch  schon  abgesprochen  über  die  Fragen,
die  mich  lächerlich  machen  sollen,  ja  sogar  einen  Spitznamen  habt  Ihr  schon  bereit!
Ihr  wollt  toben  und  Euch  halb  tot  lachen  über  meinen  Namen,  den  ich  vielleicht
ungeschickt  an  die  Tafel  kritzele.  So  seid  Ihr  es  ja  gewohnt,  anders  kennt  Ihr  es  ja
gar  nicht.
Doch  Ihr  werdet  erstaunt  sein,  wenn  ich  bei  Euch  in  der  Klasse  erscheine;  Ihr  werdet
erstaunt  sein,  weil  Ihr  so  einen  Referendaren,  wie  ich  einer  bin,  noch  nie  erlebt  habt.
Und  deswegen  werdet  Ihr  ruhig,  freundlich  und  fleißig  sein.  Ich  bin  nämlich  nicht
so  wie  andere  Referendare.  Mein  Aussehen;  Ich  liebe  die  Bügelfalte  und  verabscheue
die  Strickweste.  Mein  Wesen:  Ich  weiß,  daß  ich  Mensch  bin  und  Lehrer  nur  an  zweiter
Stelle.  Mein  Können:  Ich  mache  meine  Prüfung  zwar  nur  mit  3,  habe  aber  gesunden
Menschenverstand.  Mein  Auftreten:  Ich  trete  nicht  betont  lässig  auf,  bleibe  aber  in
jedem  Fall  ruhig  und  lasse  mich  nicht  verwirren.  Mein  Unterricht:  Ich  betrachte  ihn
nicht als notwendiges Übel, sondern versuche, ihn interessant zu gestalten.
Das  ist  meine  Methode.  „Ist  ja  nichts  Besonderes",  werdet  Ihr  sagen.  Das  meine  ich
auch.  Ich  verstehe  deshalb  auch  gar  nicht,  warum  noch  keiner  vor  mir  darauf
gekommen  ist.  Warum  erst  ich  die  Devise  habe:  Tod  dem  Todeskandidaten.  Doch
nun  ist  es  soweit:  DER  TODESKANDIDAT  IST  TOT  —  ES  LEBE  DER  REFERENDAR!
-

u w e 

- 

Schlagzeilen  —  von  World-Cup-Wlllie  notiert:
Mit  Wunderelf  gegen  Argentinien!  (Mittag)
Brasilien  starb  ganz  nach  Plan!  (Mittag)
„Zu  Hause  werden  sie  uns  steinigen"  (Bild)
WUNDERBAR!  Wir  mischen  weiter  mit  (Mittag)
Fußball  wie  im  Grusel-Film!  (Bild  am  Sonntag)
Stürmt,  stürmt,  dann  wackeln  auch  die  Iwans!  (Bild)
Hut  ab  vor  den  Russen  (Mittag)
Unsere  Elf  hat  eine  Dampfwalze  gestoppt!  (Mittag)
Der  große  Tanz  um  den  Franz  (Mittag)
Nervenkrieg  soll  deutsche  Elf  zermürben!  (Mittag)
S e p p s  A u g e n 

l e u c h t e t e n  ( M i t t a g )  -  u w e  -

5 0

�Beat - ömäam/ttoSteme

Als die Beatles ihre ersten Erfolge gefeiert hatten, schössen Beatbands und Beat
sänger wie Pilze aus der Erde. Sogar das schwache Geschlecht wurde vom Beat
fieber ergriffen. Heute, wo es so viele Beatgruppen und Schlagersänger gibt, ist es
schwer, aus der großen Zahl dieser „Mini-Orchester" sein Vorbild herauszufinden.
Um zu erfahren, wer die beliebteste Beatband, der beliebteste Schlagersänger ist,
starteten  wir  in  unserer  Klasse  eine  Umfrage.  Die  Meinungen  waren  zum  Teil
sehr verschieden. Einige hatten sich ganz dem Beat verschworen, andere waren
mehr  für  Sweet.  Als  beliebteste  Beatgruppe  wurden  die  Beatles  mit  unerwartet
hohem Vorsprung von 60 Prozent der Stimmen gewählt. Klar abgeschlagen folgen
die Rolling Stones mit 24 Prozent. Sie machten ihrem Namen keine Ehre, denn sie
wurden  von  den  Beatles  „überrollt". Auf  Platz  3  folgen  die  Beach  Boys  mit  acht
Prozent. The Who und The Lords mußten sich Platz 4 teilen. Das also sind die
beliebtesten  Beatgruppen.
Bei den Sängern triumphierte ebenfalls der Beat. Das beweisen der 1. Platz von
Chris Andrews und der 2. Platz von Draft Deutscher, der ihn allerdings nicht für
sich allein behielt, sondern zusammen mit Roy Black und Rex Gildo teilt. Auf
Platz 3 kamen Al Martino, Udo Jürgens und Donovan. Erstaunlich ist, daß keiner
der großen Beatsänger (außer Chris Andrews natürlich) wie Lew Barry, Barry
McGuire und P. J. Proby unter dieser Auswahl ist.
Klar wurde bei den Schlagersängerinnen Manuela als beliebteste gewählt. Beacht
lich, jedoch nicht überraschend ist der Aufstieg Nancy Sinatras auf den 2. Platz.
Ebenfalls  kamen  Gitte  und  Petula  Clark  auf  diesen  Platz. An  dritter  Stelle  folgt
Caterina  Valente(!).
Seltsam ist, daß sich die jeweils ersten immer klar von den anderen, die sich oft
die Plätze teilen mußten, abgesetzt haben. Hier noch einmal der Überblick:

B e a t b a n d

1  T h e  B e a t l e s
2.  Rolling  Stones
3.  Beach  Boys
4 .  T h e  W h o
4 .  T h e  L o r d s

6 0  P r o z e n t
2 4  P r o z e n t
8  P r o z e n t
4  P r o z e n t
4  P r o z e n t

Schlagersängerinnen

1 .  M a n u e l a
2.  Nancy  Sinatra
2 .  G i t t e

4 4  P r o z e n t
1 6  P r o z e n t
1 6  P r o z e n t

Hans-Joachim 

Isenberg

R o l f 

S c h r ä d e r

2 .  P e t u l a  C l a r k
3 .  C a t e r i n a  Va l e n t e

Schlagersänger

1 .  C h r i s  A n d r e w s
2 .  D r a f t  D e u t s c h e r
2 .  R e x  G i l d o
2.  Roy  Black
3.  Donovan,  Udo  Jürgens

1 6  P r o z e n t
8  P r o z e n t

5 2  P r o z e n t
1 2  P r o z e n t
1 2  P r o z e n t
1 2  P r o z e n t

u n d  A l  M a r t i n o

je  4  Prozent

Quarta  b,  Hittorf-Gymnasium  Münster
a u s :  „ D e r  K r e i s "

3 1

�Bitte  beachten  Sie  unsere  Beilage
Ta n z s c h u l e  G r e b e

Amtl i ch e s  -  Allzu amtllches

aus  der  Mappe  des  Schulleiters

A u f  d i e s e r  S e i t e  w e n d e t  s i c h  d e r  S c h u l l e i t e r  a n  d i e  E l t e r n  d e r  S c h ü l e r.

D i e  R e d a k t i o n

i s t . "

1)  Uber  die  Wertung  von  Klassenarbeiten
Der  Erlaß  des  Kultusministers  über  Hausaufgaben  und  Klassenarbeiten  vom
27.  September  1958  enthält  eine  Bestimmung,  die  von  Schülern  und  Eltern  viel
besprochen  und  nicht  selten  falsch  ausgelegt  wird.  Es  heißt  dort  unter  II.  2:  „Die
Anforderungen  (in  den  schriftlichen  Klassenarbeiten)  sollen  die  Kräfte  eines  Schü
lers  von  mittlerer  Leistungsfähigkeit  nicht  übersteigen.  Erzielt  ein  Drittel  der
Schüler  kein  ausreichendes  Ergebnis,  so  entscheidet  der  Leiter  der  Schule  nach
Anhören  des  Fachlehrers,  ob  die  Arbeit  gewertet  wird  oder  ob  eine  neue  Arbeit
z u  s c h r e i b e n 
Was  ist  mit  dieser  Bestimmung  gesagt  und  was  bedeutet  sie  nicht?  Nicht  gesagt
ist,  daß  eine  schriftliche  Klassenarbeit  nicht  gewertet  und  angerechnet  werden  darf,
wenn  das  Drittel  überschritten  ist.  Wäre  die  Wertung  einer  Klassenarbeit  an  eine
solche  starre  Grenze  gebunden,  so  würden  sich  die  Ansprüche  und  Maßstäbe  sehr
schnell  nach  unten  bewegen,  und  die  Schüler  hätten  es  in  der  Hand,  das  Maß  der
möglichen  Anforderungen  zu  bestimmen.  Versuche  und  Neigungen  in  dieser  Rich
tung  sind  nicht  selten  zu  beobachten!
Gesagt  ist  mit  der  Bestimmung,  daß  der  Schulleiter  mit  dem  Fachlehrer  zu  über
legen  hat,  aus  welchen  Gründen  der  Ausfall  einer  Arbeit  so  unbefriedigend  ist,
daß  mehr  als  ein  Drittel  der  Schüler  kein  ausreichendes  Ergebnis  erzielt  hat.  Läßt
sich  dabei  erkennen,  daß  zur  Erarbeitung  und  Einübung  eines  neuen  Stoffes  zu
wenig  Zeit  zur  Verfügung  stand,  so  kann  der  Schulleiter  entscheiden,  daß  die  Arbeit
nicht  zu  werten  und  nach  einer  zusätzlichen  Übungszeit  eine  neue  zu  schreiben  sei.
Trifft  das  aber  nicht  zu  und  zeigt  sich  deutlich,  daß  es  etwa  am  Fleiß  gefehlt  hat,  so
wird  die  Arbeit  gewertet.  Wichtig  bei  all  dem  ist  es,  daß  sich  die  Anforderungen
nach  dem  richten  sollen,  was  ein  normal  begabter  und  normal  fleißiger  Schüler  nach
alter  Erfahrung  leisten  kann.  Die  Regel  der  Christlichen  Seefahrt,  daß  das  lang
samste  Schiff  das  Tempo  des  Geleitzuges  bestimmt,  trifft  auf  die  Schule  nicht  zu.

3 2

�Die  nächste  Tanzsaison
in Münsters größtem Tanzclubhaus

modern, beschwingt, erfolgreich,
jugendnah

2)  über  das  Große  und  das  Kleine  Latinum
Für  das  Studium  vieler  wissensdiaftlicher  Fädier  wird  vom  Studenten  der  Nach
weis verlangt, daß er ein gewisses Maß an Lateinkenntnissen von der Schule mit
bringt. Darum enthält jedes Reifezeugnis eine Bemerkung darüber, ob das Große
oder  das  Kleine  Latinum  erreicht  worden  ist  oder  ob  keine  derartige  Bestätigung
gegeben werden kann. Die Voraussetzungen für die Zuerkennung des Großen
Latinums  schafft  ein  7-  oder  gar  9jähriger  Lateinkurs  (VI  —  OII  oder  VI  Ol)
ohne Rücksicht auf die Note, mit der dieser Kurs abgeschlossen wird. Auch nach
einem 5jährigen Lateinkurs (VI — OII) wird das Große Latinum zuerkannt, wenn
die Leistungen am Ende der Obersekunda mindestens „ausreichend" genannt wer
den können. Bei der Endnote „mangelhaft" wird nur das Kleine Latinum zuerkannt.
Mit der Endnote „ungenügend" ist nichts erreicht.
Da  die  deutschen  Universitäten  und  die  staatlichen  Prüfungsämter  keine  ganz  ein
heitlichen Festlegungen kennen, bei welchen Studiengängen und Examen ein Lati
num und welches verlangt werden muß, empfehle ich allen Schülern dringend, um
eine ausreichende Abschlußnote im Latein besorgt zu sein. Nur so ersparen sie sich
mit  Sicherheit  eine  unangenehme  Ergänzungsprüfung.

Oberstudiendirektor  Dr.  Graf  von  Westpbalen

Lernt  Kurzschrift  und  Maschinenschreiben  Im

Stenogralenverein Münster
18960.«.

G r ö ß t e  u n d  ä l t e s t e
Fachorganisation  für
K u r z s c h r i f t  u n d
M a s c h i n e n s c h r e i b e n 

i n

M ü n s t e r

Bei  Eurer  SMV  erfahrt
i h r  a l l e s  ü b e r
u n s e r e  n ä c h s t e n  K u r s e

3 3

�S M V

Nachrichten

Der  Briefmarkenclub  hat  seine  Türen  wieder  geöffnet.  Unter  der  Leitung  von
Werner  Petry  kommt  er  alle  14  Tage  donnerstags  im  SMV-Zimmer  um  16  Uhr

z u s a m m e n .

Bisher haben sich 19 Schüler gemeldet, die an einer Elektronik-Arbeitsgruppe teil
nehmen  wollen.  Die  Aufnahme  der  Arbeit  wird  voraussichtlich  erst  im  Winter  mög
lich  sein,  da  zu  dieser  Zeit  der  Dachboden  ausgebaut  werden  soll.  Dort  wird  die
Arbeitsgruppe ihren Platz finden. Ein Lehrer, der diese Arbeitsgruppe leitet, wird
noch  gesucht.
Die Abrechnungen über den Oberstufenball sind noch nicht abgeschlossen; aber
schon  jetzt  ist  es  sicher,  daß  wir  das  erste  Mal  seit  langer  Zeit  Gewinn  erzielt
haben.  (Ausführlicher  Bericht  folgt  später.)
-ff-

Dringend  werden  die  Schüler,  die  bisher  ihre  „Schulden"  beim  „Fundbüro"  noch
nicht  bezahlt  haben,  aufgefordert,  diese  doch  endlich  zu  begleichen.

In  Zukunft  sollen  die  Klassensprecher  einige  Tage  vor  der  Schülerratssitzung  das
Protokoll  erhalten,  damit  sie  in  den  Klassen  die  einzelnen  Fragen  besprechen
k ö n n e n .

Der  Schulsprecher

-M-

m o d e r n e s 

E i n 
u n d
l e h r r e i c h e s 
H o b b y
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C Z E E M Q

3 4

�Chronisches

Samstag,  14.  5.  1966
Schülerratssitzung;  Herr  Studienrat  Buff  bleibt  Verbindungslehrer  zur  SMV.
Mittwodi,  18.  5.  1966
Erstmalig  wurde  der  Schulsprecher  direkt  von  den  Schülern  gewählt.  Der  Wahl
kampf  fand  auf  dem  Schulhof  statt.  Es  wurden:
Günther  Lüke,  O  II  sb,  Schulsprecher
Reinhard  Greshake,  O  II  sb,  stellvertretender  Schul  Sprecher

Dienstag,  24.  5.  1966
Die  Oberprimen  mit  Wahlpfliditfach  Chemie  unternahmen  eine  Studienfahrt.  Das
Ziel  waren  die  Stickstoffwerke  Hibernia,  Wanne-Eickel.  Herr  Franzenburg 
leitete
d i e s e  F a h r t .

25.  6.  —  2.  7.  1966
Als  einzige  Klasse  unserer  Schule  unternahm  die  U  II  sb  dieses  Jahr  eine  Klassen
fahrt.  Die  Ziele  waren  die  Barockbauten  in  Fulda,  Würzburg  und  Bamberg.  Eine
Grenzwanderung im Fichtelgebirge gehörte auch zum Programm. Vom Lehrerkol
legium nahmen Herr Studienrat Gruhn (Klassenleiter) und Herr Studienrat Dr. Bo-
z e t t i 

t e i l .

Dienstag,  14.  6.  1966
Ulrich  Wiechers  übernimmt  den  Posten  des  Chefredakteurs  unserer  Schülerzeitung.

Montag,  18.  7.  1966
Die  „blauen  Briefe"  werden  verschickt.
Der diesjährige Oherstufenball findet mit der Freiherr-vom-Stein-Schule im Linden
h o f  s t a t t .

Dienstag,  19.  7.  1966
Der  Knabenchor  unserer  Schule  macht  seinen  traditionellen  Ausflug,  dieses  Mal
nach Hopsten-Alneto. Diese Fahrt leiteten Herr Dr. Allerup und Herr Oberstudien
r a t  S c h w e r b r o c k .
Für  die  Oberprimaner  fand  eine  Berufsberatung  statt.
Dienstag,  19.  7.  —  Mittwoch,  20.  7.  1966
Der  Bannerkampf  wurde  an  diesen  Tagen  ausgetragen.

Dienstag,  25.  7.  1966
Die  Ober-  und  Unterprimaner  machten  ihr  Leichtathletik-Sportabitur.

Mittwoch,  26.  7.  1966
Beginn  der  Sommerferien.  Das  offene  Singen  aller  Schüler  auf  dem  Schulhof
mußte wegen des schlechten Wetters in die Aula verlegt werden. Die Oberstufe
e r h i e l t 
-

f r e i . 

■ 

" v b r 

3 5

�Wie uns vom Schtaun auffiel...
. . . bemerkte Herr Buff auf der letzten Sdiülerratssitzung bedauernd, auf däiN.
Abschlußball der Abiturientia 1966 hätten die Abiturienten und ihre Damen allen- ]
falls getanzt. Es sei sonst nichts passiert.
■ . . fand am 18. Juli im „Lindenhof" der Oberstufenball unserer Schule statt. Den
meisten Oberstufenschülern ist diese Tatsache anscheinend nicht aufgefallen —
nach  der  geringen  Teilnahme  zu  schließen!
. . . nahm das Lehrerkollegium unserer Schule den Oberstufenball allzu wöfttich
und fühlte sich deshalb auch nicht eingeladen. Wie ist es sonst zu erklären, daß
nur 6 Herren des Kollegiums anwesend waren?
... ist die SMV an unserer Schule zu einem Heiratsinstitut geworden. Wer von/
unseren Oberstufenschülern „nicht glücklicher Besitzer einer Gespielin ist oder /
sich verändern möchte", kann sich in eine Liste eintragen, Die SMV besorgt ihm
dann „die passende Dame" aus der Steinschule, zu der wir die besten Kontakte
pflegen.
. . . stiftete Herbert Foyer aus der Quarta b unserer armen Schülerbibliothek 17
gut erhaltene Jugendbücher. Ihm sei herzlich gedankt für all die frohen und span
nenden Stunden, die unsere Unterstüfler mit Mowgly und Huckleberry Finn ver
bringen  werden!
Lukas 10,37; „Geh hin und tu desgleichen!"
. . . lagen dem Chefredakteur eine Woche vor Redaktionsschluß erst zwei Artikel
vor  —  er  hatte  sie  allerdings  selbst  geschrieben.  .  uwe  -

>

r

Leider konnten wir aus den verschiedensten Gründen nur wenige der
von Euch gelieferten Beiträge abdrucken. Denen, deren Aufsätze nicht
dabei sind, sei gesagt: Seid nicht enttäuscht! Faßt es als einen An
sporn  auf,  „Euren" Artikel  in  der  nächsten  Nummer  zu  sehen.  Das
nächste Rahmenthema steht schon jetzt fest. Es lautet; „Kriminelles".
W i r  w a r t e n  a u f  E u r e  B e i t r ä g e !  D i e  R e d a k t i o n

3 5

�Schüler  basteln
m i t P/UTEX
m i t VONAI

dem  wasserfreien  Kontaktkleber

dem  praktischen  Weißlelm

O b  d a s 
I m  Z e i c h e n -  o d e r  W e r k u n t e r
richt,  Im  Jugendhelm,  bei  den  Pfad
findern  oder  zu  Hause  Ist,  überall
wird  mit  Holz,  Metall,  Keramik,  Filz,
Hart-PVC,  Pappe,  Papier,  Gewebe
oder  Leder  gebastelt  und  ausge
b e s s e r t .

Es  werden  Modelle  gebaut  und  Ge
schenke  selbstgemacht  (Gute  Idee;
SelbstgemachteGeschenkefür  Mutti
und  Vati!)  Und  überall  verwenden
Schüler  PATTEX  und  PONALi  beide
s i n d 
Henkel  Klebstoffwerk  Düsseldorf

I m  F a c h h a n d e l  e r h ä l t l i c h .

�AlKoholfreie
GetränHe
&Tfi^cJwftob
beJtörnrnUch^
u/trhJ/^>(Amjuker^

GERMA-GETRÄNKE  GmbH  .  44  MUNSTER  (WESTF.)

�